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"Fahrbahnmarkierungen sind leichter zu erkennen"

"Fahrbahnmarkierungen sind leichter zu erkennen"

Herr Chiellino, ist der Schilderwald denn ein typisch deutsches Phänomen?Ulrich Chiellino: Die vielen Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Schilder finden wir jedenfalls nirgendwo anders - vor allem bei Halteverboten. Alles ist bis ins Detail geregelt. Man fragt sich manchmal, weshalb man zwölf Schilder für drei Parkplätze braucht

Herr Chiellino, ist der Schilderwald denn ein typisch deutsches Phänomen?Ulrich Chiellino: Die vielen Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Schilder finden wir jedenfalls nirgendwo anders - vor allem bei Halteverboten. Alles ist bis ins Detail geregelt. Man fragt sich manchmal, weshalb man zwölf Schilder für drei Parkplätze braucht.

Es gibt bereits Pilotprojekte in Deutschland, die mit wenigen Verkehrszeichen auskommen. In diesen Zonen gilt fast ausschließlich "Rechts vor Links". Welche Idee steckt dahinter?

Chiellino: Das Konzept heißt "Sicherheit durch Verunsicherung": Der Autofahrer wird in eine Situation gebracht, in der er unsicher ist - und sein Verhalten dieser Situation anpasst. Die Aufmerksamkeit steigt. Aber solche Zonen sind an strenge Vorgaben geknüpft. Man könnte dieses Projekt zum Beispiel unmöglich in der gesamten Saarbrücker Innenstadt umsetzen.

Das Verkehrsministerium will Halteverbotsschilder durch gelbe Markierungen ersetzen. Was halten Sie davon?

Chiellino: Das kann helfen. Schilder kann man schon einmal übersehen, vor allem im Dunkeln oder wenn sie durch andere Fahrzeuge verstellt sind. Fahrbahnmarkierungen sind leichter zu erkennen - wobei man sie dann im Winter auch von Schnee und Streusalz freihalten müsste. Wir fordern einfache Bodenmarkierungen - etwa Richtungspfeile - übrigens auch für die Auf- und Abfahrten von Autobahnen, um versehentliche Geisterfahrten zu verhindern. Sie sind eben auch bei Nebel oder Dunkelheit leicht wahrnehmbar.

Wie lässt sich denn der deutsche Schilderwald weiter lichten?

Chiellino: Potenzial gibt es in jeder einzelnen Gemeinde. Letztlich ist da aber immer eine Vor-Ort-Begehung nötig. Grundsätzlich kann man sich bei jedem Schild fragen: Brauche ich es an dieser Stelle? Bei den meisten würde man darauf mit "Ja" antworten, auf viele könnte man aber auch verzichten.