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Ex-Präsident Wulff probt Comeback

Ex-Präsident Wulff probt Comeback

Christian Wulff versucht sich erneut an der Pose des Staatsmanns. Als Japan-Kenner meldete er sich erstmals seit seiner Anklage öffentlich zu Wort. Ein positiv gestimmtes Publikum inspirierte ihn sichtbar.

Christian Wulff ist zurück. Locker, entspannt und gut vorbereitet versucht er sich am Freitag, auf der politischen Bühne zurückzumelden. Beim ersten öffentlichen Auftritt seit seiner Anklage wegen Korruption setzt er sich in Hannover als Weltpolitiker und Japan-Kenner in Szene. Nach einem Jahr der Niederlagen und Demütigungen, politisch wie privat, spricht er bei der Jahrestagung des Verbandes Deutsch-Japanischer Gesellschaften vor einem ihm gewogenen Publikum. Einen "Freund Japans" nennt ihn der eigens angereiste Vize-Außenminister Minoru Kiuchi in lupenreinem Deutsch.

Der Ex-Bundespräsident findet in Hannovers Rathaus schnell die Pose des Staatsmanns wieder. Das deutsch-japanische Verhältnis sei eine Herzensangelegenheit, betont er gleich bei der Ankunft. Von Beginn an sucht er den großen Auftritt, lässt sich in einer dunklen Limousine vor den Eingang des wilhelminischen Prachtbaus vorfahren. Korrekt sitzender dunkler Anzug, silbergraues Haar, strahlender Blick - die Brille auf der Nase fehlt.

Kameraleute, Fotografen und Reporter drängen sich, um Wulffs Ankunft live zu erleben. Selten dürfte sich eine Tagung des Verbands eines so großen Medieninteresses erfreut haben. Jedes Wort wägt Wulff ab in seiner Rede. Auffällig ist, wie er immer wieder Sätze in seine Rede einflechtet, die man auch auf ihn beziehen kann. "Man erlebt Wertschätzung", sagt er mit Blick auf Japan. "Es begegnet einem dort Sympathie". Er spricht für Deutschland. Doch auch ihm tut die demonstrative Wertschätzung der Japaner sichtbar gut. Lässig aufs Pult gestützt oder auch leger mit einer Hand in der Hosentasche analysiert er Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ländern. Die Kameras der Fotografen klicken im Stakkato, als er gestenreich seine Worte zu unterstreichen sucht. Kein Wort über seine Affäre, keine Vorwürfe an die Medien - höchstens ein augenzwinkernder Seitenhieb. Seine Rede wirkt wie ein Befreiungsschlag im Kampf um Rehabilitierung und berufliche Zukunft. Seit seinem Rücktritt als Bundespräsident am 17. Februar 2012 hat er sich zurückgehalten mit öffentlichen Auftritten. Nun meldet er sich zurück.