Europäischer Murks

Meinung:Europäischer Murks

Von SZ-RedakteurinMonika Kühborth

An einem etwas ungewöhnlichen Beispiel lernen wir also, dass Prüfsiegel nicht notwendigerweise das bedeuten, was die Werbung uns gern verspricht: Sicherheit. Es geht um Brust-Implantate. Und, fünf Jahre nach Entdeckung der skrupellosen Silikon-Trickserei, noch immer um ungeklärte Zuständigkeiten. Das ist der Skandal hinter dem Skandal.

Wie gern mokieren wir uns über Duschkopf-Erlässe aus Brüssel - ist der europäische Markt nicht geregelt bis hinters letzte Komma? Hier zeigt sich leider das Gegenteil. Ein Prüf-Institut kontrolliert (auftragsgemäß) den Fertigungsprozess, aber nicht das Produkt selbst - den Behörden genügt's. Ein Hersteller, der auch exportiert, versichert sich nur gegen Schäden im Heimatland - keine Aufsicht schreitet ein. Aus Verbrauchersicht ist beides ein Unding. Dass die Klärung solcher Kernfragen jetzt nach Europa durchgereicht wird, stellt die betroffenen Frauen zwar auf eine neue Geduldsprobe. Damit kommt der Streitfall aber endlich dort an, wo er hingehört. Und wo hoffentlich Lehren aus diesem europäischen Murks gezogen werden .

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