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EU nach neuem Flüchtlingsdrama unter Druck

EU nach neuem Flüchtlingsdrama unter Druck

Bei der wohl schlimmsten Flüchtlings-Katastrophe im Mittelmeer sind am Wochenende wahrscheinlich etwa 700 Menschen ertrunken. Die Forderungen nach einer neuen EU-Politik nehmen zu.

Nach der erneuten, wohl bisher größten Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer mit wahrscheinlich 700 Toten wächst die Kritik an der Flüchtlingspolitik in der EU. Auch aus dem EU-Parlament kamen nach den Ereignissen des Wochenendes Forderungen, diese zu ändern. Politiker und Hilfsorganisationen forderten zudem eine Wiederaufnahme des EU-Seenotrettungsprogramms "Mare Nostrum". Frankreichs Präsident François Hollande forderte mehr Überwachungsboote im Rahmen der EU-Mission "Triton".

Das Flüchtlingsboot war in der Nacht zum Sonntag nach Angaben der italienischen Küstenwacht etwa 130 Kilometer vor der libyschen Küste gekentert. Bis zum Nachmittag konnten von den angeblich über 700 Menschen an Bord 28 gerettet und 24 nur als Leichen geborgen werden. Die italienische Küstenwache und Marine, Einsatzkräfte aus Malta und der EU-Triton-Mission suchten gestern mit Dutzenden Schiffen und Flugzeugen rund um die Unglücksstelle südlich der Insel Lampedusa im 16 Grad kalten Wasser nach Überlebenden. Laut UN-Flüchtlingshilfswerk könnte es sich um die schlimmste Flüchtlings-Tragödie in der Region handeln. Sie ist die zweite dieses Ausmaßes binnen weniger Tage. Bereits vor einer Woche waren wohl rund 400 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Im gesamten vergangenen Jahr kamen 3500 Menschen bei der gefährlichen Passage nach Europa ums Leben.

Die EU-Kommission kündigte eine Dringlichkeitssitzung der EU-Innen- und Außenminister an. "Vor dieser andauernden Tragödie dürfen wir in Deutschland und in der EU unsere Augen nicht verschließen", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU ). "Solch grausame Verbrechen erfordern eine europäische Antwort", meinte er mit Blick auf e Schlepperbanden. Grüne und Linke warfen den EU-Staaten Tatenlosigkeit vor. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte die EU auf, "schnell einen zwischen den Staaten abgestimmten humanitären Einsatz zur Rettung von Menschenleben auf See einzurichten". > e, Meinung