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Es raschelt in Deutschlands Schilderwald

Es raschelt in Deutschlands Schilderwald

Berlin. Wie kann der Schilderwald in Deutschland gelichtet werden? So viel steht fest: Ein geordneter Kahlschlag ist nicht in Sicht. Nach Informationen unserer Zeitung sind Bund und Länder aber darum bemüht, den Abbau von Verkehrszeichen weiter "behutsam" vorzunehmen

Berlin. Wie kann der Schilderwald in Deutschland gelichtet werden? So viel steht fest: Ein geordneter Kahlschlag ist nicht in Sicht. Nach Informationen unserer Zeitung sind Bund und Länder aber darum bemüht, den Abbau von Verkehrszeichen weiter "behutsam" vorzunehmen. Dazu gehört auch die Idee, Halte- und Parkverbotsschilder womöglich durch gelbe Fahrbahnrandmarkierungen und Bordsteinkanten zu ersetzen. So, wie das in England, Belgien, Italien oder Holland schon der Fall ist. Verkehrsexperten der schwarz-gelben Koalition finden den Plan grundsätzlich gut."Die Zahl der Verkehrszeichen, die in Deutschland aufgestellt sind, ist nicht genau bekannt. Es besteht zwischen Bund und Ländern aber Konsens, dass zu viele Verkehrszeichen angeordnet sind", heißt es in der kürzlich auf den Weg gebrachten Neufassung der Straßenverkehrsordnung. Dass der große Wurf offenbar nicht möglich ist, haben jedoch Bund und Länder inzwischen eingesehen. Dafür sind die Zuständigkeiten und Interessen mit Blick auf das Verkehrszeichen-Dickicht zu unterschiedlich gelagert.

Schon 2009 kamen die Bundesländer daher auf die Idee, mit "Straßenmarkierungen gegen den Schilderwald" vorzugehen. Laut Beschluss sollten zur Probe in Hamburg Fahrbahnrand-Markierungen und Bordsteinkanten gelb gestrichen werden und so die Halte- und Parkverbotsschilder ersetzen. Eine durchgehende, gelbe Linie sollte signalisieren, dass man am Fahrbahnrand mit dem Auto nicht stehen bleiben darf. Dadurch, so das Argument der Länder, könnten zahlreiche Häufungen und Schilderwiederholungen innerorts vermieden werden, die die Verkehrsteilnehmer nur unnötig ablenkten. Bislang ist der Plan aber aus Kostengründen noch nicht umgesetzt worden.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist gleichwohl dafür. Er unterstütze das Projekt, heißt es in einer Stellungnahme des Ministers von Ende September. Auch auf Fachebene sei dies den Ländern signalisiert worden. Nach Auffassung Ramsauers müssen allerdings die Länder die gelbe Umrüstung der Bordsteinkanten finanzieren. Da dies noch nicht der Fall ist, liegt das Projekt derzeit auf Eis. Aus Ramsauers Ministerium heißt es allerdings, man sei durchaus gesprächsbereit, falls ein Land gegenüber dem Bund signalisiere, den Modellversuch durchführen zu wollen. Druck kommt zudem von den Verkehrsexperten der schwarz-gelben Regierungskoalition, die der Idee positiv gegenüber eingestellt sind: Die Reduzierung des Schilderwaldes führe zu mehr Sicherheit und weniger Bürokratie, so der saarländische FDP-Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic. "Der kurzzeitige Mehraufwand rechnet sich langfristig." Die Initiative müsse daher jetzt von den Ländern umgesetzt werden. Unions-Experte Gero Storjohann ergänzt: "Die Durchführung des Modellversuchs wäre interessant." Dann zeigten sich eventuell auch Schwierigkeiten aufgrund der Wetterverhältnisse in Deutschland. Schnee könne schließlich die gelben Linien verdecken, so Storjohann.

Ob mit oder ohne gelbe Linie, der Schilderwald bleibt in Deutschland ein Problem: Laut ADAC gibt es über 20 Millionen Verkehrszeichen, im Durchschnitt steht an den Straßen alle 28 Meter ein Schild. Experten betonen, dass es viel mehr gibt, als ein Autofahrer wahrnehmen kann. Dadurch werde die Verkehrssicherheit gefährdet. Über 600 Schilder finden sich in der Straßenverkehrsordnung, allein von der blauen Tafel mit dem "P" für Parken gibt es an die 30 Varianten. Während einige Kommunen abbauen, forsten viele andere weiter auf. Billig ist das sicher nicht.

Hintergrund

 Meist helfen Verkehrsschilder Autofahrern ja, sicher durch die Straßen zu kommen. Aber manchmal verwirren die Zeichen auch nur - wie hier in Berlin. Foto: dpa
Meist helfen Verkehrsschilder Autofahrern ja, sicher durch die Straßen zu kommen. Aber manchmal verwirren die Zeichen auch nur - wie hier in Berlin. Foto: dpa

Allein in Saarbrücken gibt es rund 29 000 Verkehrsschilder. Die Kosten pro Schild betragen nach Angaben von Stadtsprecher Robert Mertes im Durchschnitt inklusive Mast und Installation 195 Euro. An den etwa 660 Kilometern Straße im Stadtgebiet stehen also Schilder im Wert von mehreren Millionen Euro. Laut Mertes überprüfen Mitarbeiter der Stadt bei Ortsterminen regelmäßig, ob eine Beschilderung wirklich sinnvoll ist. Überflüssige Schilder würden entfernt. "Wir stellen Schilder nur dort auf, wo sie zwingend notwendig sind", sagt Mertes. Manche Bürger würden sich häufig noch zusätzliche Schilder wünschen. tho