Erneute Wende im Fall Petraeus

Washington. Als die Nachricht von den Ermittlungen der Bundespolizei gegen den amerikanischen Spionage-Chef David Petraeus die Runde machten, beschwerten sich die zuständigen Aufsichtsgremien im Kongress, nicht rechtzeitig informiert worden zu sein

Washington. Als die Nachricht von den Ermittlungen der Bundespolizei gegen den amerikanischen Spionage-Chef David Petraeus die Runde machten, beschwerten sich die zuständigen Aufsichtsgremien im Kongress, nicht rechtzeitig informiert worden zu sein. Das FBI redete sich damit heraus, die seit vergangenen Sommer anhängige Untersuchung habe keinen Hinweis auf eine Gefährdung der nationalen Sicherheit ergeben. Politiker und Analysten in Washington sahen darin den Versuch, Versäumnisse und Merkwürdigkeiten in der "General-Affäre" unter den Teppich zu kehren.Das FBI verstärkt diesen Eindruck nun mit einer überraschenden Hausdurchsuchung bei der Petraeus-Geliebten Broadwell. "Es geht darum, die Quelle der Dokumente auf ihrem Computer herauszufinden", erklärt ein hoher Beamter die Aktion ", bei der die Ermittler kistenweise Material aus dem Anwesen der Broadwells in Charlotte schleppten. Welche geheimen Dokumente in ihrem Besitz waren, ist unklar. Nur so viel: "Das nationale Sicherheitsthema ist auf dem Tisch", bestätigte eine Mitarbeiter des Justizministeriums die Kehrtwende der Ermittlungen.

Die Vorsitzende des Geheimdienste-Ausschusses im US-Senat Dianne Feinstein, hat "viele Fragen über die FBI-Ermittlungen und wie sie zu Stande kamen". Der Stein kam ins Rollen, als Jill Kelley, die am Standort des für den Nahen Osten, Iran und Afghanistan zuständigen "Central Commands" Partys für das Offizierskorps organisierte und freundschaftliche Beziehungen zu Petraeus und John Allen unterhielt, einem befreundeten Agenten der Bundespolizei Droh-E-Mails zeigte. Der FBI-Beamte versuchte sich bei der attraktiven Frau libanesischer Abstammung wichtig zu machen und versprach, den Absender der E-Mails ermitteln zu lassen. Als sich die Untersuchungen verselbstständigten und Personen in Kelleys Umfeld kalte Füße bekamen, versuchte sie laut "Wall Street Journal", die Ermittlungen zu stoppen. Jetzt werden auch ihre E-Mails an General Allen genau unter die Lupe genommen. Sie umfassen zwischen 20 000 und 30 000 Seiten über die vergangenen zwei Jahre.

US-Präsident Barack Obama erklärte unterdessen, es habe keinen Geheimnisverrat gegeben. Er sagte gestern bei der ersten Pressekonferenz nach seiner Wiederwahl: "Ich habe bisher keine Hinweise, dass Geheimnisse verraten wurden, die in irgendeiner Weise einen negativen Einfluss auf die nationale Sicherheit der USA haben könnten.". Petraeus sei zurückgetreten, weil er eigene Verhaltensstandards nicht erfüllen konnte. In Medien werden bereits Namen für die Nachfolge an der CIA-Spitze genannt - auch eine Frau wird gehandelt. sp/dpa

Foto: AFP