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Er sagte den Sieg voraus – Jetzt prophezeit er das Ende

Er sagte den Sieg voraus – Jetzt prophezeit er das Ende

Als fast alle falsch lagen, lag Allan Lichtman richtig. Der Historiker gehörte zu den wenigen, die Donald Trumps Wahlsieg vorhersagten, auch in einer Phase des Rennens, in der die meisten Umfrage-Institute dem Immobilienmagnaten keine Chance gaben. Trump, erzählt Lichtman, habe ihm später ein Exemplar der Zeitung geschickt, in der er seinen Tipp begründete, und beschriftete es mit: "Gratuliere, Professor! Gut gesehen!" Was Trump offenbar nicht wahrgenommen hat: Noch vor dem Votum, sagt Lichtman, habe er sich ein zweites Mal aus dem Fenster gelehnt und prophezeit, dass es der Präsident nicht über die volle Amtszeit schaffe. Stattdessen werde er schon vorher seines Amtes enthoben.

In den Monaten nach der Wahl hat der Professor der American University in Washington ein Buch geschrieben, um seine These zu untermauern. Es trägt den Titel "The Case for Impeachment". Die Gründer der USA hätten es nicht der Justiz überlassen, darüber zu befinden, ob die Demokratie die Reißleine ziehe und einen Präsidenten aus dem Amt entferne, schreibt er. Vielmehr sei es ein rein politisches Verfahren, nicht an eine konkrete Straftat gebunden. Voraussetzung ist ein "Fehlverhalten öffentlicher Personen, mit anderen Worten, der Missbrauch öffentlichen Vertrauens". In einem ersten Schritt muss die Mehrheit der Abgeordneten im Repräsentantenhaus dafür stimmen. Angesichts der aktuellen Mehrheitsverhältnisse müssten sich neben den Demokraten etwa zwei Dutzend Republikaner gegen Trump stellen.

So unvorstellbar sei das gar nicht, sagt Lichtman. Zwar wollten die Konservativen zunächst die Abwicklung der Gesundheitsreform Barack Obamas und massive Steuersenkungen durchsetzen. Dazu bräuchten sie Trump. Danach nicht mehr. Und dann stehe einem Impeachment nichts mehr im Wege, orakelt der Historiker.

Bislang kennt die US-Geschichte nur zwei Fälle, in denen der Kongress die Reißleine zog, wenn auch nicht mit letzter Konsequenz. 1868 traf es Andrew Johnson, einen Südstaatler aus Tennessee, der nach dem Bürgerkrieg bremste, als die hart erkämpften Rechte befreiter Sklaven in der Praxis durchgesetzt werden sollten. 1998 war es Bill Clinton, der im Zuge der Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky unter Eid gelogen hatte. Beide Male scheitere endgültige Amtsenthebung an der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit im Senat. Richard Nixon wiederum kam dem sicheren Impeachment zuvor, indem er 1974 auf dem Höhepunkt des Watergate-Skandals zurücktrat.

Es sind gerade die "verblüffenden Parallelen" zu Nixon, die Lichtman an ein schnelles Ende der Ära Trump glauben lassen. "Beide sind zwanghaft davon besessen, von eigener Schuld abzulenken. Beide sind innerlich zutiefst verunsichert. Beide neigen zur Geheimniskrämerei und streben an, alles unter Kontrolle zu haben, ohne dass jemand widerspricht." Nixon brachte das zu F all. Und Trump?