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Bis zu 1150 Euro vom Staat – wer vom 2. Entlastungspaket am meisten profitiert hat​

Berechnung der Regierung : Bis zu 1150 Euro vom Staat – wer vom 2. Entlastungspaket am meisten profitiert hat

Das dritte Entlastungspaket ist da. Was viele aber nicht wissen: Wer hat zuvor vom zweiten Paket finanziell am meisten profitiert? Beispielrechnungen für Familien, Rentner und Co.

Update vom 5. September: Das zweite Entlastungspaket hatte es in sich: Energiepauschale, Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket wurden von vielen Bürgerinnen und Bürgern wohlwollend angenommen. Während Ersteres im September ausbezahlt wird, sind Letztere am 31. August ausgelaufen. Im Hinblick auf den Winter spitzt sich derweil die Energiekrise weiter zu – folglich steigen die Preise. Eine Trendwende bei der Inflation ist damit nicht in Sicht.

Daher hat die Bundesregierung nach tagelangen Verhandlungen am 4. September das dritte Entlastungspaket vorgestellt. Mit einem Volumen von 65 Milliarden Euro ist es das bisher umfangreichste Hilfspaket – alle Maßnahmen im Überblick:

  • Strompreisbremse: Der Grundverbrauch von Haushalten bei Strom wird zu einem vergünstigten Preis gutgeschrieben. Dieser vergünstigte Basisverbrauch soll durch Gewinnabschöpfung bei den Energiefirmen finanziert werden.
  • Wohngeldreform: Kreis der Anspruchsberechtigten wird auf zwei Millionen Menschen ausgeweitet
  • Einmaliger Heizkostenzuschuss II für Wohngeldberechtigte für die Heizperiode September 2022 bis Dezember 2022: 415 Euro für einen 1-Personen-Haushalt, 540 Euro für zwei Personen; für jede weitere Person zusätzliche 100 Euro.
  • Energiepauschale II über 300 Euro für Rentner. Die Einmalzahlung an Rentner ist für Dezember geplant.
  • Einmal-Zahlung an Studierende in Höhe von 200 Euro.
  • Für die Nachfolge des Neun-Euro-Ticket stellt der Bund 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung.
  • Der Anstieg der Netzentgelte soll gedämpft werden.
  • Die ursprünglich beschlossene Steigerung der CO2-Preise wird ausgesetzt.
  • Hartz IV wird zum 1. Januar 2023 in ein Bürgergeld umgewandelt und durch die Berücksichtigung der Inflation auf einen Regelsatz von etwa 500 Euro erhöht.
  • Die Besteuerung von Rentenbeiträgen soll 2023 wegfallen und Bürgerinnen und Bürgern eine Entlastung von fünf Milliarden Euro bringen.
  • Das Kindergeld wird zum 1. Januar für das erste und zweite Kind um 18 Euro angehoben
Das müssen Sie zur Gasumlage wissen

Erstmeldung vom 16. August: Bis zu 1150 Euro – Familien, Rentner & Co.: Wer bekommt am meisten Geld aus dem 2. Entlastungspaket

Das Finanzministerium hat beispielhaft ausgerechnet, was genau die Entlastungspakete eins und zwei finanziell für die Bürger bringen. Ob die Entlastungen die zusätzlichen Belastungen durch höhere Preise und Gasumlage ausgleichen können, wird von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Das hängt stark vom Gasverbrauch und Stromsparen ab, davon, wie gut die Wohnung saniert ist, ob man ein Auto nutzt und wie kalt der Winter wird.

2. Entlastungspaket: Energiepauschale, Tankrabatt & Co wie sich die Hilfe zusammensetzt

  • Angestellte bekommen die Energiepauschale von 300 Euro brutto mit dem Gehalt ausgezahlt.
  • Von Pflegekraft bis Informatiker – diese Berufe bekommen netto am meisten von der Energiepauschale.
  • Selbstständige erhalten die Sonderzahlung auf Umwege: Eine einmalige Senkung ihrer Einkommenssteuer-Vorauszahlung soll es hier richten.
  • Hartz-IV-Empfänger werden einmalig mit 200 Euro bezuschusst.
  • Familien die Kindergeld beziehen erhalten zusätzlich 100 Euro pro Kind.
  • Tankrabatt: Von Juni bis August wurde der Benzinpreis um 30 Cent, der Dieselpreis um 14 Cent pro Liter über Steuererleichterungen gesenkt.
  • 9-Euro-Ticket: Für den gleichen Zeitraum gab es ein bundesweit geltendes ÖPNV-Ticket für monatlich neun Euro. Beides ist zum 1. September ausgelaufen.

Familien: Bis zu 1150 Euro extra

Die Doppelverdiener-Familie mit zwei Kindern und Jahresgehalt von zweimal rund 35 000 Euro hat laut Ministerium fast 1150 Euro extra. Damit erhalten Familien am meisten Geld vom Staat. Die steuerlichen Entlastungen machen inklusive Pendlerpauschale 232 Euro aus, von der Energiepreispauschale bleiben nach Steuern 430 Euro auf dem Familienkonto.

Dazu kommt ein Kinderbonus von 200 Euro. Der nun ausgelaufene Tankrabatt schlug bei monatlich rund 2500 Kilometern mit 210 Euro zu Buche, die Abschaffung der EEG-Umlage bringt 76 Euro.

Singles: Energiepausschale & Co, so viel bekommt ein Ein-Personen-Haushalt

Der Single, der jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit pendelt und 61 500 Euro brutto verdient, bekommt laut Finanzministerium rund 425 Euro durch die Hilfspakete. Die steuerlichen Entlastungen machen 146 Euro aus, von der Energiepreispauschale bleiben ihm nach Steuern 185 Euro.

Vom Tankrabatt profitierte er (bei gelegentlichen Ausflügen mit dem Auto) mit rund 59 Euro, die Abschaffung der EEG-Umlage macht bei durchschnittlichem Stromverbrauch 35 Euro aus.

Rentner: Heizkostenzuschuss & Tankrabatt im Ruhestand

Die Rentnerin mit einer Rente von rund 1000 Euro im Monat, Wohngeld und einem Auto für Einkäufe und Familienbesuche hat nach Rechnung des Ministeriums rund 362 Euro raus. Sie bekommt den Heizkostenzuschuss von 270 Euro, profitierte mit rund 57 Euro vom Tankrabatt und mit rund 35 Euro von der Abschaffung der EEG-Umlage.

Hartz 4: Sozialleistungsempfänger erhalten Einmalzahlung

Der Grundsicherungsbezieher mit monatlich 449 Euro Grundsicherung, vollständig übernommenen Miet- und Heizkosten und ohne Auto hat laut Ministerium rund 235 Euro Entlastung. Sie setzen sich zusammen auf 200 Euro Einmalzahlung für Sozialleistungsempfänger und 35 Euro durch die Abschaffung der EEG-Umlage.

Selbstständige: Grundfreibetrag, Tankrabatt & Energiepreispauschale

Die Selbstständige, die viel mit dem Auto unterwegs ist und ein zu versteuerndes Einkommen von 42 000 Euro im Jahr hat, bekommt laut Ministerium 463 Euro raus. Darin sind 69 Euro durch den höheren Grundfreibetrag, 160 Euro durch den nun ausgelaufenen Tankrabatt und 39 Euro durch die Abschaffung der EEG-Umlage. Von der Energiepreispauschale bleiben ihr 195 Euro.

Studenten: Nur Bafög-Empfänger erhalten Geld vom Staat

Die Studentin mit Bafög und 450-Euro-Job profitiert laut Ministerium mit 615 Euro. Der Rechnung zufolge bekommt sie die volle Energiepreispauschale von 300 Euro, dazu 230 Euro Heizkostenzuschuss. Durch das 9-Euro-Ticket spart sie rund 50 Euro Semesterticket, die Abschaffung der EEG-Umlage bringt ihr 35 Euro.

2,4 Cent pro Kilowattstunde: Gasumlage ab Oktober

Bundesregierung und Koalitionspolitiker versichern Bürgern und Wirtschaft, dass Entlastungen greifen werden, wenn ab Oktober die neue zusätzliche Gasumlage zu zahlen ist. Grünen-Chef Omid Nouripour kündigte dafür einen „gemeinsamen Kraftakt“ an. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck versprach den Unternehmen, weitere Maßnahmen zumindest zu prüfen. Die konkrete Ausgestaltung ist aber unklar.

Die Gasumlage bedeutet zunächst zusätzlich 2,4 Cent pro Kilowattstunde, die alle Gaskunden bezahlen müssen, Privathaushalte ebenso wie Firmen. Mit der Umlage sollen erhöhte Beschaffungskosten von Großimporteuren ausgeglichen werden, um diese vor der Pleite und das deutsche Energiesystem vor dem Kollaps zu bewahren. Auslöser der steigenden Gaspreise war der russische Überfall auf die Ukraine Ende Februar.

Nach scharfer Kritik an der Gasumlage soll diese nochmals überarbeitet werden. Verbraucher müssen weiterhin höhere Preise zahlen, doch sollen möglichen Trittbrettfahren ausgeschlossen werden. Etwa Mineralölkonzerne, die trotz umfangreicher Profite die Teilhabe an der Gasumlage beantragen könnten, um so noch mehr Gewinne einfahren würden.

Mehrwertsteuer auf Gasumlage?

Der Zuschnitt eines neuen Entlastungspakets ist in der rot-grün-gelben Bundesregierung noch umstritten. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) versicherte auf Twitter: „Wir lassen niemanden allein mit den höheren Kosten.“ Zuvor hatte bereits Vizeregierungssprecherin Christiane Hoffmann gesagt: „Wenn die Umlage zum 1. Oktober dieses Jahres fällig wird, werden auch weitere Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes bereit sein.“

Die Regierung will auch verhindern, dass auf die Gasumlage noch Mehrwertsteuer zu zahlen ist, die dem Staat zugute käme – ungeklärt ist aber noch, ob das EU-Recht das zulässt. Unionsfraktionsvize Jens Spahn nannte dies im „Spiegel“ zynisch und kündigte an: „Wenn die Ampel die Mängel nicht zügig behebt, werden wir im September die Aufhebung der Umlage im Bundestag beantragen.“ CDU-Vizechef Carsten Linnemann sprach sich für eine generelle Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie aus: „Gas und Strom sind ein Grundbedarf“, sagte er der Mediengruppe Bayern zur Begründung.

Mit der staatlichen Gasumlage wird sich die wirtschaftliche Situation klammer Privathaushalte noch verschärfen. „Wer sich wegen der hohen Inflation sowie der gestiegenen Energiepreise schon jetzt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befindet, wird es bald besonders schwer haben“, sagte die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung, Ines Moers, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Denn viele Haushalte hätten nach zwei Jahren Corona-Pandemie kein finanzielles Polster mehr.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Energiepauschale, Tankrabatt & Co. – so viel Geld bekommen Sie jetzt vom Staat (Bildergalerie)