Empörung über rechte Umtriebe in Tröglitz

Tröglitz/Berlin · Nach dem Brandanschlag auf ein Asylbewerber-Heim geht in Tröglitz die Angst um. Nach dem ehemaligen Bürgermeister erhält nun auch der Landrat Morddrohungen. Politiker aller Parteien sind empört.

Wegen ihres Einsatzes für Flüchtlinge sind Lokalpolitiker im sachsen-anhaltischen Ort Tröglitz massiv bedroht worden. Der zuständige Landrat Götz Ulrich wurde gestern unter Polizeischutz gestellt. Der CDU-Politiker hatte ausdrücklich für die Unterbringung von Asylbewerbern in Tröglitz geworben. Die Drohungen gegen ihn hätten "schon einen rechtsextremen Hintergrund", sagte Ulrich. Unter anderem soll von einer Enthauptung die Rede gewesen sein. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht kündigte zugleich einen erhöhten Schutz für den Ex-Bürgermeister von Tröglitz an. Markus Nierth war Anfang März wegen persönlicher Anfeindungen zurückgetreten.

In der Nacht zu Samstag war in Tröglitz ein Gebäude in Brand gesteckt worden, in dem ab Mai 40 Flüchtlinge wohnen sollten. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. Die Ermittler halten jedoch einen politischen Hintergrund für naheliegend. Schon seit Wochen gibt es Proteste von Rechtsextremen gegen das Heim. In ganz Sachsen-Anhalt würden Asylbewerber-Unterkünfte inzwischen besonders gesichert, teilte das Innenministerium mit.

Die Vorfälle lösten bundesweit Entsetzen aus. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD ) sagte, wer Unterkünfte von Flüchtlingen anzünde, "handelt feige und abscheulich". Innenminister Thomas de Maizière (CDU ) erklärte, wenn sich der Verdacht der Brandstiftung bestätige, sei dies "eine abscheuliche Tat". Im Namen des Europarats mahnte dessen Generalsekretär Thorbjørn Jagland, der Vorfall müsse die Alarmglocken in Europa schrillen lassen. > e, Meinung

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