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Ema will noch vor Weihnachten grünes Licht für Corona-Impfstoff geben

Zulassung noch vor Weihnachten : Mit dem Lockdown kommt die Impf-Hoffnung

Deutschland fährt wieder runter – aber parallel wächst die Aussicht auf eine EU-Zulassung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer noch vor Weihnachten. Nicht nur Minister Spahn hatte Druck gemacht.

Fast zeitgleich mit dem Beginn des harten Lockdowns an diesem Mittwoch kommt Hoffnung auf ein Leben nach Corona auf. Die europäische Arzneimittelbehörde Ema teilte am Dienstag mit, dass sie kommenden Montag und damit noch vor Weihnachten grünes Licht für den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer geben könnte – acht Tage früher als geplant. Auch Deutschland hatte dafür Druck gemacht.

Nach Angaben von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) könnte man hierzulande bereits zwei bis vier Tage nach dem 21. Dezember mit dem Impfen beginnen. Ursprünglich hatte die Behörde die Zulassung für den 29. Dezember terminiert. Zwei Wochen später, am 12. Januar, soll es dann grünes Licht für den Impfstoff des US-Herstellers Moderna geben. Allein von diesem Vakzin hat sich Deutschland nach Angaben Spahns bereits 48,6 Millionen Dosen aus der europäischen Bestellung gesichert.

Erwartet wird allerdings, dass die Nachfrage das Impfangebot zumindest in den ersten drei Monaten des neuen Jahres übersteigen wird. Laut Spahn werden im ersten Quartal nur elf bis 13 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen. Deshalb gibt es bereits eine Priorisierung, die aber noch weiter konkretisiert werden soll: Menschen mit schweren Krankheiten, Mitarbeiter im Gesundheitsbereich sowie Personen, die wie zum Beispiel Polizisten zur Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung unerlässlich sind, haben Impf-Vorrang. Dabei könnten diese Gruppen auch parallel geimpft werden, stellte die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, klar. Auch mit der Impfkampagne blieben aber alle Hygiene- und Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus weiterhin gültig. Denn bislang könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein Geimpfter andere anstecke, erläuterte Buyx.

Spahn hatte Forderungen nach einer Notzulassung des Biontech-Stoffs noch am Dienstag zurückgewiesen. Auslöser der Debatte war die Tatsache, dass die Infektionszahlen in Deutschland weiter auf Rekordniveau sind, derweil in Ländern wie Großbritannien und den USA bereits ein Impfstoff zugelassen ist, der maßgeblich in Deutschland entwickelt wurde. Deshalb geriet der Gesundheitsminister in Zugzwang. Schließlich hätte es Deutschland den Briten und Amerikanern gleichtun können. Allerdings war unter den EU-Staaten von Anfang verabredet worden, die Ema-Entscheidung abzuwarten. Dieses Verfahren ist aufwendiger als eine Notzulassung. Denn hier prüfen neben der Ema auch 27 nationale Behörden, was Pharmaunternehmen an Daten zur Verfügung stellen. Deshalb dauert es auch länger. Er wundere sich schon „über manche Tonlage“ in letzter Zeit, sagte Spahn. Vom europäischen Geist werde zwar viel geredet, „aber wenn es darauf ankommt, ziehen viele brutal die nationale Karte“, kritisierte der Minister. Nach seinen Worten wird bei dem EU-Verfahren „feinkörniger“ geprüft, was eine „noch größere Sicherheit“ bei der Beurteilung des Impfstoffs verspreche als bei einer Notzulassung.

Gleichwohl hatte Deutschland in den letzten Tagen enorm Druck für ein rascheres Ergebnis gemacht. „Alle nötigen Daten zu Biontech liegen vor“, schrieb Spahn am Montag per Tweet. Und in der Telefonkonferenz mit der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten am Sonntag soll er gesagt haben: „Jeder Tag, den wir früher beginnen können, mindert Leid“. Es gehe auch um das Vertrauen der Bürger in die Handlungsfähigkeit der EU.

Wegen des neuen Lockdowns will der Gesundheitsminister Weihnachten übrigens im allerkleinsten Kreis feiern, nämlich nur mit seinem Mann. „Erstmals“, wie er betonte.