Eintagsfliegen und andere Phänomene

Eintagsfliegen und andere Phänomene

Schill-Partei, Republikaner oder DVU: Solche Splitterparteien gründen sich schnell, verlieren aber ebenso an Zusammenhalt in den eigenen Reihen. Dieses Schicksal droht nun auch der Alternative für Deutschland.

Neue Parteien scheitern fast immer an sich selbst. Ganz besonders gilt das für Parteigründungen im rechten Spektrum. Eine ähnliche Wählerschicht wie die AfD deckten in den 90er Jahren der Bund freier Bürger (BfB) und etwas später die Hamburger Schillpartei ab. Der BfB wurde 1994 sogar explizit wegen des Euro gegründet, Vorsitzender war der frühere FDP-Politiker Manfred Brunner. Als jedoch Wahlerfolge ausblieben, verloren viele Mitglieder wieder das Interesse und schlossen sich anderen Anti-Euro-Gruppierungen wie Pro-DM an. 2000 wurde die Partei wieder aufgelöst.

Die Hamburger Schillpartei, offiziell Partei Rechtsstaatliche Offensive genannt, konnte 2001 mit 19,4 Prozent einen gigantischen Wahlerfolg in der Hansestadt verzeichnen und sogar in die Landesregierung einziehen. Doch intern zerstritt man sich bald, 2003 wurde der Gründer Ronald Barnabas Schill sogar aus der Partei gedrängt. Auch er ging zur Gruppe Pro-DM. Die Schillpartei wurde 2007 aufgelöst.

Eher mit dem Petry-Flügel in der AfD zu vergleichen waren die Republikaner, eine nationalkonservative, aber nicht extremistische Partei. Sie wurde von ehemaligen CSU-Mitgliedern in Bayern gegründet und in ihrer Hochzeit von Franz Schönhuber angeführt. 1989 zog sie überraschend ins Berliner Abgeordnetenhaus ein, 1992 und 1996 erzielte sie jeweils rund zehn Prozent in Baden-Württemberg. Doch nach 2000 konnte die Partei die Erfolge nicht wiederholen, bei der letzten Bundestagswahl errang sie nur noch 0,2 Prozent.

Ein Grund für den Niedergang der REP war neben inneren Querelen die Konkurrenz der Deutschen Volksunion. In Brandenburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt gelang ihr in den 90er Jahren der Einzug in die Landesparlamente. Doch machten ihre Fraktionen bald durch Streitereien und Austritte Schlagzeilen. Nachdem sich deren Chef Gerhard Frey 2009 zurückgezogen hatte, war die Partei am Ende; 2010 fusionierten die Reste mit der NPD .

Die Nationalen sind die dauerhafteste Partei am rechten Rand. In den 60er Jahren gelang der NPD der Einzug in vier westdeutsche Landtagsparlamente. Eine Renaissance erlebt sie seit der Jahrtausendwende im Osten, in Sachsen kam sie zwei Mal in Folge in den Landtag. Allerdings gibt es auch bei ihr erhebliche Querelen.

Im Chaos versunken sind die Piraten. Noch ist man in vier Landtagen vertreten, Sitze, die 2011/2012 errungen wurden. Doch seitdem wollen die Wähler von der zerstrittenen Truppe nichts mehr wissen. Im linken Spektrum gab es damit nur zwei erfolgreiche Parteineugründungen. Die eine ist die Linkspartei, allerdings ist ihr stabiler Kern die alte SED/PDS. Echt neu sind demzufolge nur die 1980 gegründeten Grünen. Auch sie hatten und haben viele interne Querelen.