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"Eine Einschulung kostet 300 Euro"

"Eine Einschulung kostet 300 Euro"

Herr Hilgers, was ist wichtiger: Mehr Kindergeld oder der Ausbau der Kinderbetreuung?Hilgers: Beides ist wichtig. Ich bin dagegen, dass man das gegeneinander ausspielt. Der Fehler der jetzt gemacht wird ist, dass man auch den Kinderfreibetrag erhöhen will

Herr Hilgers, was ist wichtiger: Mehr Kindergeld oder der Ausbau der Kinderbetreuung?

Hilgers: Beides ist wichtig. Ich bin dagegen, dass man das gegeneinander ausspielt. Der Fehler der jetzt gemacht wird ist, dass man auch den Kinderfreibetrag erhöhen will. Im Ergebnis führt das dazu, dass die Menschen, die viel verdienen, 15 Euro Kindergeld erhalten, der Durchschnittsbürger voraussichtlich nur zehn und die Hartz IV-Empfänger kriegen keinen Cent.

Sie sagen es, zehn Euro mehr Kindergeld sind angedacht. Hilft das den Familien?

Hilgers: Das hilft sehr wenig. Eine Einschulung kostet 300 Euro, und wenn jemand sein Kind in eine Ganztagsgrundsschule bringt, dann sind in der Regel bis zu 150 Euro weg. Fahrtkosten, Lernmittel, selbst bei einer normalen Schule muss man mit Kosten von 100 Euro im Monat rechnen. Von Lehr- und Lernmittelfreiheit, von kostenloser Bildung kann in Deutschland also keine Rede mehr sein. Da sind zehn Euro mehr Kindergeld sehr wenig.

Ministerin von der Leyen will die Höhe des Kindergeldes nach der Kinderzahl staffeln - ist das ein richtiger Ansatz?

Hilgers: Das halte ich für richtig. Eltern mit mehreren Kindern sind nun mal besonders benachteiligt. Die Realität ist: Wer 2500 Euro verdient, wird bei drei bis vier Kindern meist zum Aufstocker, das heißt, er muss Hartz IV beantragen. Es ist nicht akzeptabel, dass Menschen, die eigentlich ganz gut verdienen, wegen der Zahl ihrer Kinder in die Armut abrutschen.

Hartz IV-Empfänger haben allerdings nichts von einer Kindergelderhöhung, weil sie mit dem Arbeitslosengeld II verrechnet wird. Was schlagen Sie vor?

Hilgers: Der jetzige Regelsatz für Kinder ist mit 60 Prozent eine Ableitung des Satzes für Erwachsene. Das ist völlig respektlos gegenüber den wirklichen Bedürfnissen von Kindern. Man muss deshalb den Regelsatz für Kinder speziell an ihre Bedürfnisse anpassen. Und wenn man das tut, wird ein Betrag dabei herauskommen, der gar nicht so sehr von dem eines Erwachsenen abweichen wird.

Wie müsste aus ihrer Sicht sinnvolle Familien-Förderung aussehen?

Hilgers: Wir brauchen unbedingt eine Kindergrundsicherung. Das heißt, alle Leistungen müssen auf den Tisch gelegt werden - von Unterhaltsvorschuss über Kindergeld bis Bafög und Wohngeldanteilen. Dann werden wir feststellen, dass das ganze komplizierte System eigentlich weg muss. Wir müssen also zu einer Kindergrundsicherung kommen von 400 bis 450 Euro.