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Eine denkbar schwierige Beziehung

Eine denkbar schwierige Beziehung

Eigentlich wollte Avi Primor nichts mit Deutschland zu tun haben. Dann wurde er von 1993 bis 1999 Botschafter in Berlin – und alles änderte sich. Warum, erzählt der Diplomat SZ-Mitarbeiterin Susanne Knaul.

Avi Primor
Die beiden Staatsoberhäupter glücklich vereint: Reuven Rivlin (l.) und Joachim Gauck. Fotos: dpa

Deutschlands erster Botschafter in Israel, Rolf Friedemann Pauls, musste in seinen ersten Wochen noch vom israelischen Geheimdienst beschützt werden. Zu frisch waren 1965 die Erinnerungen an die Ermordung von sechs Millionen Juden durch Nazi-Deutschland, zu groß die Empörung vieler Israelis über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu dem "Monster". Dass der Botschafter im Zweiten Weltkrieg Offizier der Wehrmacht war, machte ihm die Aufgabe nicht leichter. Auf seiner ersten Dienstfahrt durch Jerusalem kam es zu wütenden Protesten. Pauls wurde mit Tomaten, Flaschen und Steinen beworfen. Tausende riefen "Nazis raus". Einer der Demonstranten von einst war Reuven Rivlin. Er ist heute Israels Staatsoberhaupt.

Genau 50 Jahre ist es jetzt her, dass Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen aufnahmen. Das Jubiläum wird groß gefeiert. Und ausgerechnet Rivlin hält sich nun vier Tage lang in Deutschland auf - auf Einladung von Bundespräsident Joachim Gauck . Es ist eine bemerkenswerte Wende in der deutsch-israelischen Geschichte. Sein Besuch sei für ihn "gleichzeitig emotional bewegend und von einer tiefen Bedeutung erfüllt", sagte Rivlin. Man blicke auf eine "lange Reise" zurück. "Eine Reise, die uns von den unauslöschlichen Schrecken der Vergangenheit zu den geteilten Werten der Gegenwart geführt hat", erklärte der Präsident. Er beschwor gleichzeitig "Zusammenarbeit und Freundschaft, die uns in eine gemeinsame Zukunft führen werden". Die Freundschaft beider Länder sei "keine Entschädigung für den Holocaust ". Ihr Fundament seien vielmehr "gemeinsame Werte, nachdem Deutschland die Verantwortung für diese dunklen Zeiten akzeptiert hat".

An die Aufnahme diplomatischer Beziehungen hatten beide Seiten sich ganz vorsichtig herangetastet. Seit 1952 gab es ein Abkommen zur "Wiedergutmachung". Bei der Unterzeichnung verzichtete man jedoch noch auf einen Händedruck. Im März 1960 trafen sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und Israels Staatsgründer David Ben-Gurion dann zum ersten Mal, im Hotel "Waldorf-Astoria" in New York, auf neutralem Boden also. Die beiden älteren Herren verstanden sich gut. Doch vor dem Austausch von Botschaftern schreckten sie noch zurück.

Den entscheidenden Schritt unternahm erst Adenauers Nachfolger Ludwig Erhardt (CDU ). Im Frühjahr 1965 entschloss er sich das Verhältnis beider Staaten auf eine offizielle Grundlage zu stellen. Den Weg dahin ebneten auch jahrelange geheime Waffenlieferungen aus Deutschland an Israel.

Ein halbes Jahrhundert später bleibt das Verhältnis belastet. Der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, beschreibt es angesichts des Zivilisationsbruchs Holocaust als "eine der schwierigsten Beziehungen, die es zwischen Staaten überhaupt geben kann". Israels ehemaliger Botschafter in Berlin, Schimon Stein, meint sogar, die Aussöhnung zwischen Deutschen und Israelis käme einem "Wunder" gleich.

Die vielen Jubiläumsfeiern hier und dort spiegeln die Tiefe der Beziehungen zwischen beiden Ländern im Bereich der Kunst und Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft wider. Deutschland ist heute Israels wichtigster Verbündeter in Europa. Kanzlerin Angela Merkel (CDU ) wird hoch geschätzt. Die in Deutschland umstrittenen Waffenlieferungen an Israel werden im jüdischen Staat als Zeichen der deutschen Verpflichtung gegenüber Israels Sicherheit gesehen.

In Deutschland wird die israelische Regierungspolitik jedoch zunehmend kritisiert - vor allem der Siedlungsausbau in den Palästinensergebieten. Es gibt Forderungen nach einem Kurswechsel der deutschen Israel-Politik, sollte sich die neue Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu von der Zwei-Staaten-Lösung verabschieden. Überschattet werden die Beziehungen durch antisemitische Vorfälle, die es in Deutschland auch 70 Jahre nach dem Holocaust immer noch gibt. 2014 wurden offiziell 864 gezählt. Israels Botschaft in Berlin wird zudem massiv bewacht, ebenso die jüdische Synagoge.