„Eine Absage wäre eine großartige Propaganda für die Dschihadisten“

Straßburg · Nach den Attacken von Paris wird in Frankreich über die Sicherheit von Weihnachtsmärkten diskutiert. Einer der ältesten und schönsten, der Markt in Straßburg, soll aber stattfinden.

Die Stadt Straßburg will wie geplant an ihrem traditionellen Weihnachtsmarkt festhalten, der am 27. November eröffnet werden soll. "Ich habe beschlossen, ein Maximum an Großveranstaltungen in der Stadt aufrechtzuerhalten", sagte Straßburgs OB Roland Ries am Montagabend nach einer Ratssitzung. "Den Weihnachtsmarkt abzusagen, würde bedeuten, den Terroristen in gewisser Weise recht zu geben, die unsere Lebensweise ändern wollen", so Ries. Eine Absage "wäre eine großartige Propaganda für die Dschihadisten , dann hätten sie den Jahrhunderte alten Weihnachtsmarkt gestoppt." Im Dezember 2000 war ein geplanter Anschlag auf den traditionsreichen Markt in letzter Minute verhindert worden.

Für die Stadt stelle sich die Frage, unter welchen Sicherheitsbedingungen der Markt organisiert werden kann. "Wir müssen Polizei- und Militärverstärkung bekommen", sagt Ries. Für unrealistisch hält er den Vorschlag, rund um die zwölf in Straßburg geplanten Weihnachtsmärkte Sicherheitsschleusen zu installieren. Auch wehrt sich die Stadtverwaltung dagegen, die Zahl der Märkte zu reduzieren. Dann wäre das Gedränge auf den verbleibenden noch größer, heißt es. Möglich wäre nach Ansicht der Stadtverwaltung, dass die Eröffnungszeremonie auf der Place Kleber in kleinerem Rahmen stattfindet. Damit könnten sich auch die Händler abfinden. Im November 2014 waren rund 25 000 Menschen zum Start der Weihnachtsbeleuchtung gekommen. Eine endgültige Entscheidung will die Stadt morgen treffen.

Die Hoteliers, Gastronomen und Einzelhändler der Stadt kämpfen für den Markt. "Wenn wir ihn schließen, muss man alles schließen, die Kinos, die Einkaufszentren, die Champs-Elysées, den Eiffelturm. Wir werden nicht in einem Bau leben", erklärt Pierre Bardet, Chef der Vereinigung "Les Vitrines de Strasbourg". Vom Weihnachtsmarkt hingen 3000 bis 5000 Saison-Jobs ab, eine Absage wäre "wirtschaftlich ein Wahnsinn". Auch Colmar, Sélestat, Riquewihr, Obernai und Saargemünd halten ihren Märkten fest.

Zum Thema:

HintergrundIm Saarland werden die großen Weihnachtsmärkte auch nach den Terroranschlägen von Paris stattfinden. Das ergab eine Umfrage unserer Zeitung in Homburg, St. Wendel, Saarlouis und Saarbrücken. Dennoch befänden sich die Veranstalter im Land momentan in einer "schwierigen Lage", meint Barbara Beckmann-Roh vom Saarländischen Städte- und Gemeindetag. Die Entscheidung werde vielen "sicher nicht leicht fallen". pbe