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„Ein schwerer Tag für die CDU“

„Ein schwerer Tag für die CDU“

Für etliche CSU-Politiker war der Sonntagabend kurz. Er habe es "nicht mehr ertragen" können, sagte einer, der sich gestern zur Vorstandssitzung in München einfand. Er meinte weniger die Ergebnisse der Wahlen in Baden-Württemberg , Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt als vielmehr die Erklärungsversuche von CDU-Größen wie Peter Tauber oder Ursula von der Leyen.Er wisse nicht, über was er sich mehr wundern solle, sagte Parteichef Horst Seehofer : "Über die Wahlergebnisse oder die Erklärungsversuche." Bayerns Finanzminister Markus Söder stimmte da seinem Chef (ausnahmsweise) zu: "Da gibt es gar nichts herumzutricksen und zu versuchen, die Ergebnisse positiv zu interpretieren", sagte Seehofers Herausforderer.

Der Chef der Mittelstandsunion, Hans Michelbach , machte die Misserfolge der Schwesterpartei nicht nur an der Flüchtlingspolitik fest, sondern an deren "Sozialdemokratisierung". Ähnlich die Analyse des bayerischen JU-Chefs Hans Reichhart: "Wenn die CDU als Mitte-Links-Partei wahrgenommen wird, wer fängt dann die anderen auf?"

Trotz des bitteren Sonntags zeigte sich gestern aber auch: Wenigstens der Humor ist der CDU noch nicht abhanden gekommen. Als der Landeschef von Baden-Württemberg, Thomas Strobl, in der Berliner Parteizentrale gefragt wurde, warum der Grüne Winfried Kretschmann so erfolgreich war, antwortete er trocken: "Er hat für Angela Merkel gebetet." Strobls Bemerkung war eine Anspielung auf Kretschmanns Unterstützung für den Flüchtlingskurs der Kanzlerin. Genau an diesem Punkt schieden sich in der Union seit Monaten die Geister. Nach dem Wahltag pochte vor allem Seehofer auf "Konsequenzen". Die Antwort könne nicht sein, es gehe alles so weiter wie gehabt. Sogar den Bestand der Union sieht Seehofer in Gefahr. Die Lage sei "äußerst ernst".

Bei der Adressatin in Berlin hörte sich das weniger dramatisch an. Nicht, dass Merkel die Niederlagen beschönigen wollte. Hinter verschlossenen Türen sprach sie von einem "schweren Tag für die CDU ", was mancher Kritik den Wind aus den Segeln nahm. Dass die Stimmenverluste dem Flüchtlingsproblem geschuldet waren, gestand sie ebenfalls zu. Aber ihrem Kurs für eine europäische Lösung abschwören? Dafür sieht Merkel keinerlei Veranlassung. Es gebe noch keine abschließende Lösung, räumte sie ein. Das werde Zeit brauchen. Und die AfD? Mit der müsse man sich "argumentativ auseinandersetzen". Die "Ängste" vieler Menschen, die "Sorge vor dem Islam" und "die Frage der inneren Sicherheit", da müsse man "entsprechende Antworten finden".

Die drei Spitzenkandidaten, die mit Merkel auf die Bühne im Konrad-Adenauer-Haus gekommen waren, schienen solche Bemerkungen nicht sonderlich zu befriedigen. Sowohl Julia Klöckner in Mainz, als auch Guido Wolf in Stuttgart sowie Reiner Haseloff in Magdeburg hatten im Wahlkampf Distanz zu Merkels Kurs erkennen lassen. Von Einigkeit in der Flüchtlingsfrage ist die Union also auch nach diesem katastrophalen Sonntag weit entfernt. Die CDU-Chefin kann offenbar damit leben. Auch weil keine Alternative zu ihr in Sicht ist. Selbst Seehofer antwortete gestern auf die Frage, ob Merkel noch die richtige Kanzlerin sei, mit "Ja". Morgen trifft er sich wieder mit Merkel, um über die Lage zu beraten. Es gibt aber auch Stimmen, die auf den Herbst verweisen: Würden die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ebenfalls schiefgehen, gehe es dann auch um die Vorsitzende.