Dutzende Tote durch Rebellenangriff?

Berlin/Kiew · Bei den Kämpfen in der Ost ukraine kommen immer wieder Zivilisten ums Leben. Jetzt soll ein Flüchtlingskonvoi beschossen worden sein. Die Konfliktparteien beschuldigen sich gegenseitig.

Die ukrainische Regierung hat die prorussischen Separatisten beschuldigt, einen Flüchtlingskonvoi in der umkämpften Ostukraine beschossen und dutzende Menschen getötet zu haben. Die Aufständischen hätten gestern Morgen nahe der Großstadt Lugansk mit russischen Mörsern und Grad-Raketenwerfern auf fliehende Zivilisten gefeuert, teilte ein Armeesprecher mit. Wie der ukrainische Armeesprecher Andrej Lyssenko sagte, griffen die Rebellen auf einer Straße bei Lugansk einen Fahrzeugkonvoi an, der mit weißen Flaggen klar als zivil markiert gewesen sei. Die Fahrzeuge seien "vollständig zerstört" worden, es habe "dutzende Tote" gegeben, darunter auch Frauen und Kinder. Der Angriff fand den Angaben zufolge nördlich von Lugansk zwischen Chriaschtschuwate und Nowoswitliwka statt. Der Konvoi sei dort in einem humanitären Korridor unterwegs gewesen, über den in den vergangenen Tagen bereits mehr als 1800 Menschen aus Lugansk geflohen seien, sagte Lyssenko. Die Rebellen wiesen die Anschuldigungen zurück. Der "Regierungschef" der selbst ernannten Volksrepublik Donezk, Alexander Sacharschenko, sagte, in der Region Lugansk sei "kein einziger Flüchtlingskonvoi" beschossen worden. Die ukrainische Armee belagert Lugansk seit Wochen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko kündigte gestern eine neue Strategie für den Militäreinsatz in der Ostukraine an. Ziel sei es, die Versorgung der Rebellen mit Waffen und Ausrüstung aus Russland zu unterbinden.

Ein Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine in Berlin hatte zuvor keinen Durchbruch gebracht. Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin erwartet lange Verhandlungen mit Russland. Er sei auf der Suche nach einem "Ausweg aus dem Status Quo" zu solchen Verhandlungen bereit, schrieb Klimkin im Kurzbotschaftendienst Twitter . Russland hatte zuvor "gewisse Fortschritte" bei den Gesprächen in Berlin vermeldet.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow verwies allerdings darauf, dass beide Seiten in der Frage eines bedingungslosen Waffenstillstands in der Ostukraine und einer politischen Lösung des Konflikts nicht vorangekommen seien. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD ) sagte nach den fünfstündigen Beratungen mit Klimkin, Lawrow und dem französischen Außenminister Laurent Fabius , "in einzelnen Punkten" seien durchaus "Fortschritte" erreicht worden.

Im Verlauf der seit vier Monaten andauernden Kämpfe im Osten der Ukraine wurden bereits mehr als 2100 Menschen getötet. In der Kampfregion leidet die Zivilbevölkerung auch darunter, dass die Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Strom nicht mehr funktioniert. Ein russischer Konvoi mit rund 280 Lastwagen, der nach Darstellung Moskaus 1800 Tonnen Hilfsgüter für die notleidende Bevölkerung geladen hat, saß gestern weiter an der Grenze zur Ukraine fest. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU ) sagte den baltischen Staaten vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise den Beistand der Nato zu.

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