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Druck auf Linken-Chef Ernst wächst weiter

Druck auf Linken-Chef Ernst wächst weiter

München. Der Druck auf Linkspartei-Chef Klaus Ernst (Foto: ddp) wächst immer weiter: Nun wird in seinem bayerischen Landesverband der Verdacht laut, durch Manipulation von Delegiertenzahlen auf Parteitagen könnten Personalentscheidungen verfälscht worden sein. Landesschatzmeister Ulrich Voß wirft den Linken in Bayern "schwerste Regel- und Satzungsbrüche" vor

München. Der Druck auf Linkspartei-Chef Klaus Ernst (Foto: ddp) wächst immer weiter: Nun wird in seinem bayerischen Landesverband der Verdacht laut, durch Manipulation von Delegiertenzahlen auf Parteitagen könnten Personalentscheidungen verfälscht worden sein. Landesschatzmeister Ulrich Voß wirft den Linken in Bayern "schwerste Regel- und Satzungsbrüche" vor. Einem Zeitungsbericht zufolge könnte das auch den Parteitag betreffen, bei dem Ernst zum bayerischen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2009 gewählt wurde. Ernst steht in den eigenen Reihen bereits in der Kritik wegen des parallelen Bezugs von Bundestagsdiäten, Parteigehalt und Fraktionszulage. Der Linke-Chef erhält neben 7668 Euro Bundestagsdiäten 3500 Euro von der Partei sowie 1913 Euro von der Bundestagsfraktion. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen unrechtmäßiger Abrechnung von Reisekosten beim Bundestag gegen ihn - ein Verwurf, den Ernst bestreitet. Schatzmeister Voß, ein Gegner Ernsts, vermutete in der "Süddeutschen Zeitung", fragwürdige Praktiken im Umgang mit der Mitgliederzahl seien "möglicherweise Tricks gewesen, um die Mehrheiten auf Parteitagen zu verändern". Nach einem internen Bericht von Voß, der der Zeitung vorliegt, sollen einige Kreisverbände Mitglieder in ihren Listen führen, die entweder gar nicht Mitglied sind oder keine Beiträge zahlen und deshalb längst hätten ausgeschlossen werden müssen - und auch kein Stimmrecht auf Parteitagen haben dürften. Vor diesem Hintergrund will Voß nach Informationen des "Spiegels" nicht den jüngsten Rechenschaftsbericht der Linken in Bayern unterschreiben. Er wolle auf diese Weise nicht "antidemokratische und teilweise kriminelle Handlungen" legitimieren, zitiert ihn das Magazin. Damit wäre auch der Bericht der Bundespartei unvollständig, und es könnte die Streichung staatlicher Zuschüsse drohen. Ernst sagte dem Internetportal stern.de: "Es handelt sich um eine üble Intrige des noch amtierenden Landesschatzmeisters Ulrich Voß." Gegen die Zusammensetzung der jeweiligen Gremien hätte innerhalb einer bestimmten Frist Einspruch erhoben werden können. Er selbst sei an der Aufstellung der Parteitagsdelegierten nicht beteiligt gewesen. Ex-Linken-Chef Oskar Lafontaine verteidigte unterdessen das Zusatzeinkommen seines Nachfolgers Ernst. "Bei der SPD stört sich niemand daran, dass der Parteivorsitzende mehr als das Doppelte von dem erhält, was Ernst bekommt", sagte Lafontaine der "Sächsischen Zeitung" aus Dresden. Dabei sei ein höherer Spitzensteuersatz die gerechteste Lösung, um höhere Einkommen zu begrenzen. dpa/ddp