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Die Welt im Dauerstress: Zahlen, Fakten und Auswirkungen

Krisen, Kriege, immer weitere Konflikte und Nachrichten. Die Menschen bekommen den Eindruck, dass es viel mehr schlechte Nachrichten gibt.

"Wenn wir uns die globale Entwicklung anschauen, dann nehmen die gewalttätigen Konflikte in der jüngeren Vergangenheit tatsächlich zu. Das gilt auch für die Anzahl der Opfer", so Stefan Kroll, Leiter der Wissenschaftskommunikation am Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Auch das Uppsala Conflict Data Program (UCDP), welches seit 1946 Zahlen zu militärischen Konflikten sammelt, bestätigt diesen Trend. Laut UCDP sind 2022 rund 238.000 Menschen bei Konflikten getötet worden. Ein Anstieg von 97 % zu 2021 und die höchste Zahl seit 1994.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist der erste groß angelegte zwischenstaatliche Krieg seit 20 Jahren, sowie der erste Konflikt nach dem zweiten Weltkrieg, bei dem eine Großmacht sowohl territoriale Gewinne für sich selbst als auch die Unterwerfung eines anderen Staates durch einen Regimewechsel anstrebt. Für das Jahr 2022 zählt das UCDP 55 verschiedene Konflikte von denen acht Kriege sind.

Der jüngste Trend zur Internationalisierung von Konflikten, also, dass sich vermehrt Länder in die Konflikte anderer Länder einmischen, führt dazu, dass Konflikte länger und blutiger werden und auch schwieriger beizulegen sind, so Therese Pettersson vom UCDP Auch die globalen Krisen steigen seit der Weltfinanzkrise 2005 an, sagt Stefan Kroll vom Leibniz-Institut. Er spricht von einer Polykrise, da sehr vieles gleichzeitig passiert und miteinander verknüpft ist.

"Eine Überforderung, die nicht ohne Folgen für die Gesellschaft bleibt. Die Menschen stehen angesichts der Nachrichtenlage unter Dauerstress", Isabella Helmreich, wissenschaftliche Leiterin am Leibniz-Institut für Resilienzforschung in Mainz Das Gehirn wird durch die vielen negativen Reize, Nachrichten, Bilder und Videos in eine Art Daueralarmbereitschaft versetzt, so Helmreich.

Auch die Zahlen der Krankenkassen belegen, dass viele Menschen sich zunehmend gestresst fühlen. Laut einer aktuellen Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse KKH fühlen sich 84 Prozent der 18- bis 70-Jährigen zumindest gelegentlich gestresst, 43 Prozent sogar häufig oder sehr häufig.

Jeder zweite Befragte hat das Gefühl, das Leben sei in den letzten zwei Jahren anstrengender und stressiger geworden. Auch die Corona-Pandemie habe laut Helmreich der Gesellschaft einen Schaden zugefügt und Gräben vergrößert.

Konfliktforscher Kroll bestätigt jedoch, dass Demokratien am häufigsten Krisen besser bewältigen können. Das liege darin, dass diese als gesamtgesellschaftliche Herausforderung bewältigt werden müssen und es hilfreich sei, wenn sich die Zivilgesellschaft einbringe. Die aktuell besonders unruhige Phase und die vielen komplexen Krisen bräuchten ebenso komplexe Antworten, so die Botschaft der Konfliktforscher.

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