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„Die Vorteile überwiegen deutlich“

„Die Vorteile überwiegen deutlich“

Helge Stoll, Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter im Saarland, freut sich über die Vorratsdatenspeicherung. Die Daten dürften aber ruhig noch länger gespeichert werden, sagte er im Gespräch mit SZ-Redaktionsmitglied Lars Reusch.

Die Vorratsdatenspeicherung kommt. Sind Sie zufrieden?

Helge Stoll: Das war eine langjährige Forderung von unserem Berufsverband. Die Vorratsdatenspeicherung ist ein Hilfsmittel, das die Kriminalpolizei in die Lage versetzt, effektiver in der Kriminalitätsbekämpfung zu arbeiten. Es war schon die ganze Zeit das Problem, dass wir bei bestimmten Delikten auf die Vorratsdatenspeicherung nicht mehr zurückgreifen konnten und uns dann einfach die Hintermänner gefehlt haben. Der Terroranschlag in Frankreich etwa konnte durch die Vorratsdatenspeicherung zwar nicht unterbunden werden. Aber an die Hintermänner kommt man dann besser ran.

Was sagen Sie zur gestern vorgestellten Regelung?

Stoll: Unsere Forderung war eine Speicherung von mindestens drei Monaten, noch besser wäre ein halbes Jahr. Mit einer Speicherung von zehn Wochen kann man aber zumindest arbeiten. Länger wäre gut, denn man kommt im Laufe der Ermittlungen manchmal erst später an die Kommunikationsmittel des Täters. Und wenn ich erst nach zehn Wochen an die Daten rankomme, ist natürlich alles weg.

Die Vorratsdatenspeicherung ist unter Datenschützern sehr umstritten.

Stoll: Die Speicherung der Daten ist ein Eingriff in den Datenschutz, klar. Deswegen gibt es ja auch einen Richtervorbehalt. Ohne richterlichen Beschluss wird es nicht dazu kommen, dass die Polizei an diese Daten kommt. So muss es auch sein, das haben wir auch gefordert.

Gespeichert werden aber die Daten fast aller Bürger, nicht nur die von Kriminellen.

Stoll: Das stimmt. Aber die Auswertung erfolgt ja nur bei bestimmten Delikten. Man muss eben Vorkehrungen treffen, dass niemand unzulässig auf diese gesammelten Daten zugreifen kann. Die Gefahr, dass das trotzdem passiert, besteht immer, das ist klar. Die Vorteile in der Kriminalitätsbekämpfung sehe ich aber als deutlich überwiegend an.