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Die Truppe kämpft mit einem weiteren Skandal

Die Truppe kämpft mit einem weiteren Skandal

Der Staatsanwalt ermittelt gegen 14 Gebirgsjäger aus Bad Reichenhall. Es geht um sexuelle Nötigung und Volksverhetzung.

(dpa/afp) Immer wieder die Gebirgsjäger. Ausgerechnet die Eliteeinheit der Bundeswehr sorgt seit Jahren für Negativschlagzeilen: Betrunkene Soldaten, die den Hitlergruß zeigen, ekelerregende Aufnahmerituale und makabre Posen mit Totenschädeln in Afghanistan. Und jetzt gibt es einen neuen Skandal.

Diesmal geht es um eine Kaserne im bayerischen Bad Reichenhall. Ein Obergefreiter der Gebirgsjäger sei dort zwischen November 2015 bis September 2016 "mehrfach diskriminiert sowie verbal und tätlich sexuell belästigt und genötigt worden". Das geht aus einem Brief des Verteidigungsstaatssekretärs Markus Grübel (CDU) an den zuständigen Bundestagsausschuss hervor. Im Oktober 2016 wandte sich das Opfer an den Wehrbeauftragten. Dem Brief zufolge wird gegen 14 Beschuldigte ermittelt, davon zwei Feldwebel und zwei Unteroffiziere. Der damalige Teileinheitsführer sei im Dezember aus seiner Funktion herausgelöst und ersetzt worden, heißt es. Der Fall sei "äußerst bedauerlich und vollkommen inakzeptabel". Die verantwortlichen Kommandeure hätten jedoch "umsichtig und konsequent reagiert", sagt Grübel.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein bestätigte gestern, sie ermittle gegen einen Bundeswehrangehörigen nicht nur wegen der Vorwürfe von "Mobbing und sexualbezogener Verfehlungen", sondern auch wegen Volksverhetzung und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), lobte die Aufklärung. Nichts sei vertuscht worden. Die Opposition sieht das anders: Die Übergriffe offenbarten "ein systemisches Problem bei der Bundeswehr", meinte gestern die verteidigungspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Christine Buchholz. Zwischen 2015 und 2016 sei die Zahl der gemeldeten sexuellen Belästigungen in der Truppe um 50 Prozent gestiegen. "Die Gebirgsjäger in Bad Reichenhall machen nicht zum ersten Mal Negativschlagzeilen. Das wirft die Frage nach einem Eigenleben in diesem Teil der Truppe auf." Die Grüne Agnieszka Brugger forderte, Ursula von der Leyen (CDU) müsse "über alle Vorfälle, die in der Bundeswehr darüber hinaus bekannt sind, transparent und lückenlos berichten."

Die Verteidigungsministerin selbst lobte gestern in einem offenen Brief die neu gegründete Ansprechstelle für Diskriminierung und Gewalt in der Bundeswehr, berichtete von einem älteren Belästigungsfall und forderte "respektvolle und menschenwürdige Umgangsformen". Über die Missbrauchsvorwürfe bei den Gebirgsjägern verlor sie kein Wort.