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Die Reue des Rückkehrers

Die Reue des Rückkehrers

Nicolas Sarkozy veröffentlicht am Montag ein Buch, in dem er Fehler eingesteht. Das „Mea Culpa“ des französischen Ex-Präsidenten ist nötig, um 2017 noch einmal antreten zu können.

Ausgerechnet mit einem Zitat von Konfuzius fängt Nicolas Sarkozy sein neues Buch an. Es sind Worte des chinesischen Philosophen, die nicht wirklich zum französischen Ex-Präsidenten passen - oder besser gesagt passten. Denn der 60-Jährige will mit "La France pour la vie" ("Frankreich fürs Leben") zeigen, dass er sich geändert hat. "Der Bogenschütze ist das Modell eines Weisen. Wenn er die Mitte der Zielscheibe verfehlt, muss er die Ursache bei sich selbst suchen", lautet jener Satz von Konfuzius , den Sarkozy zum Motto seiner 260 Seiten nimmt. Und so wird das Werk, das am Montag in 120 000 Exemplaren in den Handel kommt, vor allem zu einem Bekenntnis seiner Fehler - zu einem "Mea Culpa".

Mit seinem sehr persönlich gehaltenen Eingeständnis versucht der Parteichef der konservativen Republikaner, Sympathien zurückzugewinnen. Denn 80 Prozent der Franzosen wollen keine erneute Präsidentschaftskandidatur des gelernten Anwalts und sogar in den eigenen Reihen liegt der Anteil der Gegner bei 55 Prozent. Ein schwerer Stand für den hyperaktiven Politiker, dem in der eigenen Partei der beliebte Ex-Außenminister Alain Juppé die Präsidentschaftskandidatur streitig macht. In zehn Monaten sollen die Anhänger in Vorwahlen entscheiden, wen sie als Bewerber ins Rennen schicken.

"Dieses Buch ist der erste starke Akt der Kandidatur von Sarkozy für 2017", schreibt die Zeitung "Le Monde ". Doch Sarkozy, der 2012 dem Sozialisten François Hollande unterlag, will seine Zeilen nicht als Bewerbungsschreiben verstanden wissen. "Mich interessiert, dass die Leser mir zuhören und sich für das interessieren, was ich zu sagen habe", verrät der in mehrere Affären verwickelte Politiker dem "Figaro". 27 Irrtümer zählt die konservative Zeitung auf, die gestern Auszüge des Buches druckte. In "La France pour la vie" lässt "Speedy Sarko" nichts aus: Vom Urlaub auf der Jacht des Unternehmers Vincent Bolloré bis zum "Hau ab, du Blödmann", das er einem Besucher der Landwirtschaftsmesse 2008 zurief. "Damit habe ich das Präsidentenamt herabgesetzt", gesteht er. Auch politische Fehlentscheidungen, beispielsweise die Beibehaltung der 35-Stunden-Woche, benennt der Politiker. "Ich hätte bis zum Ende gehen sollen."

Als Abrechnung mit Hollande will Sarkozy sein Buch nicht verstanden wissen. Auf Spitzen gegen den Amtsinhaber, dem er 2017 erneut als Kandidat begegnen könnte, mag er aber nicht verzichten. So schildert der Ex-Präsident, wie Hollande ihn und seine Frau Carla Bruni am Tag der Amtsübergabe im Elysée nicht einmal zum Auto begleitete. "Er war von einer Kälte, die an schlechte Erziehung grenzte."

Seine eigene Präsidentschaft hält Sarkozy für unterschätzt und erinnert an Punkte wie die Rentenreform oder die Einbeziehung von Mitgliedern der Opposition in sein Kabinett. Auch seine harte Haltung in Einwanderungs- und Sicherheitsfragen sieht er als Erfolg. Schon 2010 habe er eine Aberkennung der Staatsbürgerschaft für Polizistenmörder vorgeschlagen, erinnert der ehemalige Staatschef. Was damals noch bei den Sozialisten auf Empörung stieß, solle nun sogar in die Verfassung geschrieben werden.

Die sozialistische Regierung nimmt Sarkozy seine Beichte nicht ab. "Mich wundert es, dass er in den zwei Jahren seiner politischen Pause keinerlei Reue gezeigt hat," sagt der sozialistische Fraktionschef Bruno Le Roux. In den eigenen Reihen reagieren Politiker verärgert über die Ankündigung, die Homo-Ehe nach einer Wiederwahl doch nicht abzuschaffen. "Solche 180-Grad-Wendungen sind in der Politik nicht hinnehmbar", bemerkt Sarkozys Parteikollege Hervé Mariton.