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Die große Donald-Trump-Show

Die große Donald-Trump-Show

Amerika zuerst und dann lange nichts: So lautet die Kernbotschaft der Krönungsrede Donald Trumps zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Seine Anhänger feieren ihn als Retter der Nation.

Ivanka Trump zeichnet das Bild ihres Vaters in sehr, sehr zarten Farben. Donald Trump , sagt die Tochter des New Yorker Immobilienmilliardärs, sei ein großherziger, großmütiger Mensch, erprobt im harten Baugeschäft und dabei jederzeit fair. Ein Unternehmer, der Frauen schon immer gleichen Lohn gezahlt habe und Bewerber allein nach ihrer Eignung einstelle, nicht nach Hautfarbe oder Geschlecht. Dann bittet die blonde Frau ihren Vater auf die Bühne der Arena von Cleveland , in der die Republikaner die Krönungsmesse für Trump zelebrieren. Der 70-Jährige beginnt seine Antrittsrede als Präsidentschaftskandidat. Und er zeichnet nichts weich.

Vielmehr entwirft er eine Skizze der amerikanischen Gesellschaft, die an apokalyptische Schrecken denken lässt, auch wenn sie punktuell der Wahrheit entspricht. Ronald Reagan , der Übervater der Republikaner, hatte 1984 mit dem fröhlichen "Morning in America" den Kern einer optimistischen Botschaft formuliert. Bei Trump hört es sich an, als sei finstere Nacht in Amerika.

"Die Angriffe auf unsere Polizei und der Terrorismus in unseren Städten bedrohen unsere Lebensart", warnt er, dann wiederholt er all die Themen, die seine populistische Kampagne bislang schon geprägt haben. Er spricht von der illegalen Einwanderung , der er mit dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko resolut begegnen werde. Er beklagt die Schieflage im Handel mit China und dem Rest der Welt, die er mit neuen, vorteilhafteren Abkommen rasch zu korrigieren gedenke. Er skizziert eine politische Klasse, die sich hemmungslos von "Big Money" korrumpieren lasse. "Niemand kennt das System besser als ich", dröhnt der Tycoon, der gern davon erzählt, wie er die Wahlkampfkassen von Politikern mit seinen Spenden auffüllte. "Deshalb bin ich der Einzige, der es reparieren kann."

Die Beschreibung der Alternative zum Status quo, letztlich reduziert sie sich auf zwei Worte: Donald Trump . Sie reduziert sich auf die Behauptung, dass keiner das Handwerk des Aufbauens, des Behebens von Schäden besser beherrsche als er. Dass man ihm, Donald Trump , einfach vertrauen möge. Sein Vater habe sich aufgeopfert, um nach erfolgreicher Businesskarriere dem Allgemeinwohl zu dienen, weil er den Verfall des Landes nicht mehr mit ansehen konnte - so hatte es Sohn Eric zuvor in einem Video voller New Yorker Wolkenkratzer verkündet. Trump, der noble Retter in höchster Not.

"Jeden Morgen wache ich auf in der festen Entschlossenheit, den Menschen in diesem Land, die ignoriert, vernachlässigt und im Stich gelassen wurden, ein besseres Leben zu bieten", sagt seinerseits der Kandidat. "Es sind die vergessenen Männer und Frauen unseres Landes, Menschen, die hart arbeiten, aber keine Stimme mehr haben. Ich bin eure Stimme." Und wenn ihm jemand vorwerfe, dass er allzu schroff daherrede, dann sage er nur: "Wir können es uns nicht mehr leisten, politisch korrekt zu sein".

Trump verspricht alles: Recht und Ordnung, den Sieg über die IS-Terroristen, ein Ende der illegalen Einwanderung , sichere Städte, höhere Löhne, Respekt im Ausland, niedrigere Steuern und zugleich niedrigere Staatsschulden, massive Investitionen in die marode Infrastruktur, eine Modernisierung des Militärs. Wie er das anstellen will, wie er Widersprüchliches unter einen Hut bringen will, erklärt er nicht. Es bleibt bei Worthülsen, die alles im Nebel lassen, sodass auch Rob Bishop, ein Kongressabgeordneter aus Utah, nicht recht weiß, woran er ist. Bishop zählt zu jener Schule von Konservativen, die Trump mit großer Skepsis begegneten, nun aber glauben, sich der Parteidisziplin beugen zu müssen. "Mein größtes Problem ist, dass ich einfach nicht weiß, wofür Trump steht", sagt Bishop.

Irgendwann hört man auf mitzuzählen, wie oft das "USA! USA!" durch die Halle schallt. Trump hat einen nationalistischen Furor entfacht, das Leitmotiv seiner Rede lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen. Amerika steht an erster Stelle. Und danach kommt lange nichts. "Amerikanismus wird unser Credo sein, Amerika kommt wieder zuerst", sagt er und verdammt im selben Satz die Globalisierung.

Ein ums andere Mal reitet er heftige Attacken gegen die politische Gegnerin, gegen Hillary Clinton . Es klingt, als habe die Ex-Außenministerin sämtliche Krisen der arabischen Welt zu verantworten, "ein Libyen in Ruinen, einen Irak im Chaos, ein vom Bürgerkrieg verschlungenes Syrien". Ihre Hinterlassenschaft, bringt es Trump auf eine düstere Zeile, bestehe aus Tod, Zerstörung, Terrorismus und Schwäche. "Sperrt sie ein! Sperrt sie ein!", schallt es daraufhin durch die Quicken Loans Arena, was Trump die Gelegenheit gibt, einmal den Staatsmann zu geben. Gönnerhaft schüttelt er den Kopf, als wollte er die Menge beschwichtigen: "Nein, lasst sie uns im November an der Wahlurne besiegen." Ginge es nach den Deutschen, wäre der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl klar: 88 Prozent der für das am Freitag veröffentlichte ZDF-Politbarometer Befragten wollen lieber die demokratische Bewerberin Hillary Clinton im Weißen Haus sehen als den republikanischen Kandidaten Donald Trump . Für Trump sprechen sich fünf Prozent der Befragten aus. Dass Clinton Nachfolgerin ihres Parteikollegen Barack Obama wird, erwarten der Umfrage zufolge 68 Prozent. 22 Prozent glauben, dass Trump der nächste US-Präsident wird. Für das Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen 1271 Wahlberechtigte.

Auch im Heimatort von Donald Trumps Ahnen, dem Ort Kallstadt an der Deutschen Weinstraße, herrscht keine Trump-Euphorie nach dessen Nominierung. "Eigentlich hat sich für uns nichts geändert", sagte der Bürgermeister von Kallstadt, Thomas Jaworek (CDU ). Auf die Frage, ob Kallstadt nun stolz sei, sagte Jaworek: "Auf was sollen wir stolz sein?" Trump sei bisher ein sehr reicher Mann, der eine Nominierung erreicht habe. "Aber auf Reichtum stolz zu sein, ist schwierig."

Zum Thema:

Am Rande US-Außenminister John Kerry hat nach kritischen Bemerkungen des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump über die Bündnisverpflichtungen Washingtons in der Nato die Bündnistreue der USA bekräftigt. Kerry sagte vor Journalisten in Washington, die Außenpolitik stehe zu Artikel 5 des Nato-Vertrags, wonach jeder Angriff auf einen Partner des Bündnisses als Angriff auf alle Mitgliedstaaten angesehen wird. dpa