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"Die Bahn sollte um Verständnis für die Verzögerung werben"

"Die Bahn sollte um Verständnis für die Verzögerung werben"

Herr Nickel, die Deutsche Bahn wartet nun schon seit einem Jahr auf die Auslieferung der neuen ICE-Züge. Glauben Sie, dass die erneute Verzögerung dem Image des Unternehmens schaden wird?Nickel: Nein, ich glaube nicht. Zwar ist die Bahn immer wieder mal negativ in den Schlagzeilen, was der Marke Bahn auch geschadet hat

Herr Nickel, die Deutsche Bahn wartet nun schon seit einem Jahr auf die Auslieferung der neuen ICE-Züge. Glauben Sie, dass die erneute Verzögerung dem Image des Unternehmens schaden wird?Nickel: Nein, ich glaube nicht. Zwar ist die Bahn immer wieder mal negativ in den Schlagzeilen, was der Marke Bahn auch geschadet hat. Man denke nur an das Desaster bei der S-Bahn Berlin, die ja ein Tochterunternehmen ist. Das hatte die Bahn überhaupt nicht im Griff. Aber im aktuellen Fall handelt es sich ja nicht um ein Problem der Bahn, sondern ein Problem bei Siemens. Ich denke, dass die Bürger das schon richtig einordnen können, wenn es auch so kommuniziert wird.

Wie sollte sich die Bahn jetzt verhalten?

Nickel: Auf keinen Fall sollte sie ein Schwarzer-Peter-Spiel beginnen und sagen: Siemens hat uns im Stich gelassen. Vielmehr sollte die Bahn versuchen, um Verständnis für die Verzögerung zu werben. Sie hat so viele Kommunikationswege, auch an Bord ihrer Züge. So könnte man zum Beispiel im Bord-Magazin ein Interview mit Siemens führen, in dem die Gründe für die Verzögerung erklärt werden. Überhaupt sollte die Bahn bei ihrer Außendarstellung mehr auf die Lebenskompetenz ihrer Kunden bauen.

Was meinen Sie damit?

Nickel: In den vergangenen Jahren hat die Bahn immer wieder Kampagnen gestartet, die ihre Zuverlässigkeit in den Mittelpunkt gestellt haben. So manche davon ist zur Lachnummer geworden. Nehmen wir einmal die Kampagne "Die Bahn kommt". Viel zu oft kam sie nicht. Die Bahn ist zu vielen Unwägbarkeiten ausgesetzt, um mit Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit zu werben. Gegen extreme Wetterbedingungen wie Stürme, oder Schneefall kann sie nichts ausrichten. Der Konzern sollte den Mut haben, offen damit umzugehen - und es sogar in seiner Image-Pflege nutzen. Jeder hat doch schon erlebt, dass das Wetter ihm bei seinen Planungen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Würde die Bahn kommunizieren, dass sie nun mal nicht nach festen Regeln und Vorschriften funktionieren kann wie andere Unternehmen, dass es Dinge gibt, gegen die sie nicht gefeit ist, dann wäre das authentisch.Foto: ZAW/dpa