Die Aufregung der Politik über die Preise der 5G-Auktion ist absurd

Leitartikel : Die Aufregung der Politik kommt zu spät

Es mutet an wie eine skurrile Welt. Die Versteigerung der 5G-Frequenzen erreicht Preise deutlich über den Vorhersagen – und nun stehen den Politikern ob des Geldregens Sorgenfalten im Gesicht.

Ob den Unternehmen wohl noch genug Geld für den Netzausbau bleibt. Ob die hohen Preise, die gezahlt werden, beim Ausbau einen Stillstand bedingen. Ob dadurch die Preise für die Nutzer steigen werden.

Es ist richtig: Die Gebote übersteigen die Prognosen deutlich. Mit drei bis vier Milliarden Euro hatten Fachleute gerechnet. Der letzte Stand der Auktion lag bei 5,36 Milliarden Euro. Aber es gibt kein Verfahren, das den Wert einer Ware besser ermitteln kann, als eben jenes Auktionsverfahren, das nun auch bei den 5G-Frequenzen Anwendung findet. Die vier beteiligten Unternehmen, Deutsche Telekom, Vodafone, Telefonica und United Internet, wissen am besten, wo ihre Preisgrenze liegt.

FDP, Grüne und selbst die Gewerkschaft Verdi hinterfragen nun nachträglich die Auktionsbedingungen und das zur Versteigerung stehende Produkt. Doch diese Aufregung kommt zu spät. Die Politik war schließlich in Anhörungen beteiligt, als es darum ging, die Ausschreibung zu formulieren. Und tatsächlich ist die Frage berechtigt, ob es beispielsweise sinnvoll war, nur eine Netzabdeckung von 98 Prozent der Haushalte zu fordern statt 98 Prozent der Fläche. Und tatsächlich wäre es sinnvoll gewesen, bereits im Vorfeld eine Verpflichtung zum Inlands-Roaming zwischen den Anbietern vorzuschreiben – denn dadurch wäre die Zahl von Funklöchern leicht zu verringern. Nachträglich die Bedingungen zu ändern, das kann aber nicht gehen. Man stelle sich vor, Sothebys versteigert ein wertvolles Gemälde von Van Gogh für viele Millionen und fordert anschließend, dass dieses in einem angemessenen Museumsneubau ausgestellt werden müsse.

Die Auktion läuft, und damit ist die Politik erst einmal aus dem Spiel. Jetzt schon zusätzliche Hilfen für den Netzausbau in den Raum zu stellen, ist eher kontraproduktiv. Sie sind nur dazu geeignet, den Preis weiter in die Höhe zu treiben.

Grundsätzlich sind nach der Auktion die Netzbetreiber gefragt. Und natürlich kann es passieren, dass sie anschließend feststellen müssen, dass sie zu viel Geld auf das falsche Pferd gesetzt haben. Zu Recht verweisen Kritiker auf das Jahr 2000, als die UMTS-Frequenzen für 50 Milliarden Euro über den Tresen gingen. Zu Lasten der Unternehmenskassen. Damals allerdings hatten sich die Unternehmen schlicht verzockt. Denn niemand wollte vor dem Siegeszug von iPhone & Co. die neue Technik nutzen. Auch das ist in der Wirtschaft normal. Und solch ein Risiko schwebt auch über 5G: Brüssel und Genf beispielsweise haben den Ausbau aus Gesundheitsgründen erst einmal ausgesetzt.

Selbst bei einem verzögerten Ausbau geht die Welt nicht unter. Die Industrie wird nicht abgehängt, denn sie bekommt von der Bundesnetzagentur eigene Frequenzen für 5G-Netze. Und auch das autonome Fahren funktioniert ohne 5G. Die EU bevorzugt hier sowieso den ausgereifteren W-Lan-Standard.