1. Nachrichten
  2. Politik

Die AfD träumt schon vom Regieren

Die AfD träumt schon vom Regieren

In Mecklenburg-Vorpommern hat jeder fünfte Wähler sein Kreuz bei der AfD gemacht. Was vor einem Jahr noch eine Sensation gewesen wäre, ist heute fast schon normal. Nun will die Partei mehr.

"So sehen Sieger aus", stand auf dem Plakat, das schon vor dem Ereignis produziert worden war. Selbstbewusstsein pur. Davon zeugte auch die Tatsache, dass für den Berliner Medienauftritt am Tag nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern gleich ein Raum in der Bundespressekonferenz gebucht worden war. Die AfD schwimmt auf einer Erfolgswelle, sitzt in neun Landesparlamenten. Ihre Spitzenleute träumen vom Regieren - nicht in der Provinz, sondern im Bund.

Einen "historischen Umbruch" sah Sprecher Jörg Meuthen gekommen und sagte, die AfD wolle "langfristig in diesem Land regieren". Und zwar "idealerweise schon bei der nächsten Bundestagswahl". Man habe ja gesehen, was in einem Jahr passieren könne. Im letzten Herbst lag die AfD noch bei fünf Prozent, nun in Schwerin sogar vor der CDU . Ähnlich optimistisch gab sich Meuthens Parteichef-Kollegin Frauke Petry. "Die CDU geht den Weg der ÖVP", sagte sie mit Blick auf die österreichische Schwesterpartei der Union, die längst durch die rechte FPÖ verdrängt wurde. Hinterher im lockeren Plausch mit Journalisten räsonierte Petry noch über den richtigen Zeitpunkt für eine Regierungsbeteiligung. Natürlich könne man es wie die Grünen machen und versuchen, als Juniorpartner Themen durchzusetzen. Doch das dauere sehr lange. "So viel Zeit haben wir nicht." Besser sei es, gleich stärkste Kraft zu werden, "oder wenigstens auf gleicher Augenhöhe zu sein". Ob Überschwang des Wahlsieges oder nicht, das ist jedenfalls derzeit die Stimmung bei der "Alternative für Deutschland ".

Vom Führungsstreit, der die Partei so lange lähmte, ist momentan nichts mehr zu spüren. Petry ließ Meuthen bei der Frage danach ("Frauke, ich darf doch?") sogar den Vortritt. Und bestätigte dann seine Aussage, dass in einer Doppelspitze Meinungsverschiedenheiten völlig normal seien, aber über Einzelfragen nicht hinausgingen: "Ich habe dem nichts hinzuzufügen." Es war gefühlt das erste Mal seit der Parteigründung, dass der eine AfD-Sprecher bei einer Aussage des anderen nichts hinzufügen wollte. Zum ersten Mal "regieren" muss die AfD wohl nach der nächsten Landtagswahl in zwei Wochen in Berlin . Denn in den Bezirksrathäusern werden die Stadtratsposten nach Proporz auf alle Parteien verteilt. Auch in der Hauptstadt deutet sich in den Umfragen bereits ein zweistelliges Ergebnis an. Die AfD hat für den Tag danach vorsorglich schon wieder das Haus der Bundespressekonferenz gebucht.