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Die AfD setzt ihren Siegeszug fort

Die AfD setzt ihren Siegeszug fort

Neuer Triumph für die AfD ein Jahr vor der Bundestagswahl: Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern überholt sie erstmals die CDU – ausgerechnet in der politischen Heimat von Kanzlerin Merkel.

AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm jubelte kurz nach den ersten Prognosen fast überschwänglich: "Das ist der Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Merkels." Mit über 20 Prozent der Stimmen schaffte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern als zweitstärkste Kraft gestern den Sprung in den Schweriner Landtag. Ähnliches soll die AfD nach Holms Vorstellung 2017 im Bund schaffen. Einige seiner Parteikollegen im Festzelt waren unterdessen verhalten enttäuscht, dass sie nicht wie anvisiert Platz eins erringen. "Mit dem guten Ergebnis der SPD habe ich nicht gerechnet", sagte einer von ihnen, bevor die angereiste Bundesprominenz mit den einheimischen Wahlkämpfern unter sich feierte. Ex-Radiomoderator Holm ist da bereits mit dem Motorboot über den Schweriner See übergesetzt, um in den TV-Studios Interviews zu geben.

Trotz des Erfolgs der AfD und der eigenen Verluste kommen SPD , CDU und Linkspartei bei der Landtagswahl allerdings mit einem tiefblauen Auge davon. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD ) hat die Option, die seit 2006 bestehend Koalition mit der CDU fortzusetzen. Mit der AfD zieht allerdings eine Fraktion ins Schweriner Schloss ein, die für neue Oppositionstöne sorgen wird. "Die anderen werden sich warm anziehen müssen", kündigte Holm auf der Wahlparty an. Es wird den anderen Fraktionen nicht möglich sein, die sich als rechtskonservativ gerierende AfD so auszugrenzen, wie sie es in den vergangenen zehn Jahren mit der NPD praktizierten. Die NPD scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde, was selbst bei der AfD mit Applaus bedacht wurde.

Ähnlich laut wie bei der AfD fiel der Jubel in dem italienischen Restaurant aus, in dem Wahlsieger Sellering seine Wahlhelfer um sich scharrte. Ihm war anzumerken, wie die Anspannung nach dem für ihn "wohl schwersten Wahlkampf", den er bislang führen musste, abfiel. Anscheinend zog er mit seinem Amtsbonus für seine SPD noch die Reißleine. Vor zwei Monaten rangierte die SPD bei den Umfragen hinter der CDU . Gut fünf Prozent Verlust sind für Sellering zu verkraften. Noch lieber wäre es ihm, wenn er als Alternative zum Bündnis mit der CDU eine rot-rote Option für die Koalitionsverhandlungen in der Hinterhand hätte.

Die Klatsche für die CDU zeichnete sich bereits ab. Dennoch wollte auf der CDU-Wahlparty niemand am Spitzenkandidaten Lorenz Caffier rütteln. Der unterbot das von ihm zu verantwortende schlechteste CDU-Ergebnis von 2011 noch einmal. Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass er Innenminister bleibt. Caffier argumentierte, dass "die positiven landespolitischen Entwicklungen, die wir alle hier im Land erreicht haben, nicht ansatzweise die Bevölkerung erreicht haben". Helmut Holter , Spitzenkandidat der Linkspartei, haderte mit dem Verlust des Status der führenden Oppositionspartei. Eher ratlos konstatiert er: "Wir müssen analysieren, warum Menschen zur AfD gehen."