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Der Osten wird zum Einwanderungsland

Der Osten wird zum Einwanderungsland

Die ostdeutschen Bundesländer ziehen wieder mehr Menschen an. Nach einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung ist der jahrelange Wegzug gestoppt. Allerdings profitieren davon nur 15 Prozent der Kommunen.

Die jahrzehntelange Abwanderung aus den neuen Bundesländern ist gestoppt. Seit 2012 ziehen sogar mehr Menschen in den Osten als umgekehrt von dort weg. Allerdings profitiert davon nur gut jede sechste Kommune. Der große Rest schrumpft weiter. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hervor, die gestern vorgestellt wurde.

Wer sich Jena, Potsdam oder Leipzig anschaut, der wird neidlos feststellen, dass es sich dort gut leben lässt. Nicht nur wegen der herausgeputzten Fassaden. Auch die Beschäftigungssituation kann sich sehen lassen. Das war nicht unbedingt zu erwarten. Seit der Wende hat der Osten rund 1,8 Millionen Einwohner verloren. Insbesondere wegen der Suche nach Arbeit kehrten vor allem jüngere Menschen ihrer Heimat den Rücken. Auch die großen Kommunen litten allesamt unter Leerstand. Doch dieses Bild hat sich inzwischen stark gewandelt. Gerade Jüngere, die einen Ausbildungs- oder Studienplatz suchen, zieht es vermehrt in die ostdeutschen Metropolen. Auch aus den alten Bundesländern, weil die Lebenshaltungshaltungskosten vergleichsweise günstig sind. Der Bevölkerungsforscher und Leiter des Berlin-Instituts, Reiner Klingholz, spricht von einer "wesentlichen Trendwende". Weil sich in den Städten der Arbeitsmarkt verbessert habe, blieben viele auch nach ihrer Ausbildung dort.

Diese erfreuliche Entwicklung hat allerdings eine Kehrseite. Nur etwa 15 Prozent der Kommunen profitieren. 85 Prozent sind laut der Studie, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums entstand, weiterhin mit mehr Ab- als Zuwanderung konfrontiert. "Mittlerweile gibt es tatsächlich blühende Landschaften, aber in den Städten, nicht auf dem Land", sagt Klingholz. Dabei blieb die besonders stark wachsende Hauptstadt Berlin in der Untersuchung unberücksichtigt. Aber wer zieht eigentlich wohin und in welchem Alter? Um das herauszufinden, haben die Studienautoren verschiedene Wanderungstypen näher untersucht. So ist der klassische "Bildungswanderer" tatsächlich so eindeutig auf die Groß- und Hochschulstädte fixiert wie keine andere Gruppe. Für den "Berufswanderer" gilt das nur eingeschränkt. Laut Untersuchung bildeten die 25- bis 29 jährigen die einzige Altersgruppe im Osten, die auch noch 2013 stärker ab- als zugewandert ist.

Die "Familienwanderer" wiederum ziehen eher in ländliche Gemeinden. Die Zuwanderung der 30- bis 49-jährigen Familiengründer kann die Verluste der ländlichen Regionen bei den Bildungs- und Berufswanderern aber nicht ausgleichen. Das gilt auch für die "Ruhestandswanderer", also Umzugswillige aus der Generation 64plus, die es vorrangig in die mittelgroßen Städte mit 10 000 bis 50 000 Einwohner zieht.