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Der muslimische Hadsch in Mekka steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Corona-Pandemie.

Hadsch in Mekka : Nicht einmal der Teufel ist vor Corona sicher

Der muslimische Hadsch steht ganz im Zeichen der Pandemie. Zum ersten Mal findet er ohne aus dem Ausland anreisende Pilger statt.

Die „Steinigung des Teufels“ gehört zu den Höhepunkten der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch. Hunderttausende Menschen drängen sich in normalen Jahren während der Hadsch in der Stadt Mina bei Mekka und werfen Steine auf drei hohe Steinwände, die das Böse symbolisieren. Beim diesjährigen Hadsch, das an diesem Mittwoch beginnt, wird das Ritual ganz anders aussehen. Höchstens einige Tausend Pilger werden sich versammeln, um den Teufel zu steinigen – mit viel Abstand voneinander und mit eigens sterilisierten Steinen, die den Wallfahrern in Beuteln ausgehändigt werden. Der Hadsch steht ganz im Zeichen der Corona-Pandemie.

Knapp 270 000 Corona-Infektionen und knapp 2800 Tote verzeichnet Saudi-Arabien. Das Land mit seinen 34 Millionen Einwohnern zählt täglich rund 2000 neue Ansteckungen und ist schlimmer betroffen als jeder andere arabische Staat der Golf-Region. Die Anreise von mehr als zwei Millionen Mekka-Pilgern aus aller Welt wäre da ein unkontrollierbares Risiko gewesen: Erstmals seit Gründung von Saudi-Arabien im Jahr 1932 findet der Hadsch deshalb ohne aus dem Ausland anreisende Pilger statt.

Im Frühjahr hatten die saudischen Behörden bereits die so genannte Kleine Pilgerfahrt, die außerhalb der Hadsch-Saison absolviert wird, beendet und Zehntausende Pilger nach Hause geschickt. Die saudischen Grenzen sind seitdem geschlossen. Um den großen Hadsch nicht ganz stornieren zu müssen, verlegte sich Riad auf ein Notprogramm, das nur wenige Pilger zulässt. Sie sind entweder saudische Bürger oder Ausländer, die dauerhaft im Land leben.

Wie viele Wallfahrer bei Beginn der Pilgerfahrt in Mekka erscheinen werden, ist unklar. Offiziell sind nur 1000 Pilger erlaubt, doch in einigen Medienberichten hieß es, die Gesamtzahl könne am Ende bis zu 10 000 betragen. Selbst das wären vergleichsweise wenige Teilnehmer an der Pilgerfahrt, die neben dem Glaubensbekenntnis, den täglichen Gebeten, dem Fasten im Ramadan und der Almosengabe zu den fünf muslimischen Grundpflichten gehört.

Während sonst Jung und Alt in Mekka willkommen geheißen werden, müssen die Wallfahrer in diesem Jahr zwischen 20 und 50 Jahren und gesund sein. Das saudische Kontingent besteht aus Soldaten und Mitarbeitern des Gesundheitswesens, die bereits eine Corona-Infektion überstanden haben. Die ausländischen Pilger, die drei Viertel der Gesamtzahl ausmachen, wurden ausgelost, doch nach Medienberichten gab es Beschwerden über angeblich reservierte Plätze für Diplomaten und Mitglieder der saudischen Elite.

Die Auserwählten müssen vor und nach der Hadsch mehrere Tage in Quarantäne. Zudem wurden sie vor der Abreise nach Mekka einem Corona-Test unterzogen und erhielten ein elektronisches Armband, das ihre Bewegungen an die Behörden meldet. Beim Besuch der Kaaba – dem höchsten islamischen Heiligtum im Zentrum der Großen Moschee in Mekka – und bei allen anderen Stationen der Pilgerfahrt gelten strenge Regeln wie Maskenpflicht und Abstandhalten. Das „Zamzam“, das heilige Quellwasser aus Mekka, dem besondere Heilkräfte nachgesagt werden, gibt es in diesem Jahr nur fertig abgefüllt in Plastikflaschen.

Saudi-Arabien empfing im vergangenen Jahr rund 19 Millionen Pilger zur Kleinen Pilgerfahrt und weitere 2,5 Millionen zum Hadsch, eine der größten Menschenansammlungen der Welt. Die Hadsch-Industrie bringt der saudischen Staatskasse jedes Jahr rund zwölf Milliarden Dollar ein. Kronprinz Mohammed bin Salman, der die Anhängigkeit seines Landes vom Öl beenden will, plant mit bis zu 30 Millionen Besuchern in den kommenden Jahren und mit entsprechend mehr Einnahmen.

Daraus wird nun erst einmal nichts. Der wirtschaftliche Schaden durch den Corona-Hadsch ist enorm und setzt dem saudischen Staat zu, der bereits die niedrigen Ölpreise verkraften muss. Hotels und Restaurants in Mekka sind größtenteils leer, Fahrer, Fremdenführer und andere Beschäftigte, die von der Pilgerfahrt abhängen, haben kein Einkommen. Im vergangenen Jahr hätten mehr als 240 Catering-Unternehmen in der heiligen Stadt rund 60 Millionen Mahlzeiten für die Pilger zubereitet, berichtete eine arabische Zeitung aus Mekka. In diesem Jahr seien nur acht Catering-Firmen aktiv.

Für Saudi-Arabien geht es auch ums Prestige. Die saudischen Könige schmücken sich mit dem Titel des Wächters über die heiligen Städte Mekka und Medina – doch nun sperrt das Königshaus das Land für die allermeisten Pilger.