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Der Klimawandel macht dem Krabben-Nachwuchs zu schaffen

Der Klimawandel macht dem Krabben-Nachwuchs zu schaffen

Bremerhaven. Sie fühlen sich im acht Grad kalten Atlantik ebenso wohl wie bei über 20 Grad im Mittelmeer. Strandkrabben sind nicht wählerisch, was ihren Lebensraum angeht. Trotzdem könnten die handtellergroßen, robusten Tiere Opfer des Klimawandels werden, zeigt eine Studie des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI)

Bremerhaven. Sie fühlen sich im acht Grad kalten Atlantik ebenso wohl wie bei über 20 Grad im Mittelmeer. Strandkrabben sind nicht wählerisch, was ihren Lebensraum angeht. Trotzdem könnten die handtellergroßen, robusten Tiere Opfer des Klimawandels werden, zeigt eine Studie des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI). Denn als Embryo im Ei reagieren Krabben empfindlich auf Temperaturschwankungen. Ist der Krabbennachwuchs in der ersten Lebensphase großer Wärme ausgesetzt, stirbt er.

Biologen des AWI haben mit italienischen Forschern untersucht, wie die Mittelmeer-Strandkrabbe Carcinus aestuarii Hitzeperioden übersteht. Die Weibchen legen ihre Eier nicht am Meeresboden, wo das Wasser kühl ist, sondern transportieren den Nachwuchs in den ersten Tagen auf dem Rücken und nehmen ihn so bei der Futtersuche mit ins Flachwasser. Dort ist es jedoch bei Hitzeperioden sehr viel wärmer. "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass schon ein Anstieg der Wassertemperatur von 16 auf 24 Grad Celsius genügt, um die Embryos in den Eiern in Gefahr zu bringen", so der italienische Biologe Folco Giomi. Denn dann beschleunigt sich der Stoffwechsel auf das Neunfache. Der Krabbenembryo verbraucht deshalb seine Energiereserven zu schnell und stirbt. Erst in der dritten von vier Entwicklungsstufen gelinge es den Tieren, sich auf die Wassertemperatur einzustellen.

Beim Vergleich der Klimadaten mit dem Krabbenfang venezianischer Fischer in den Jahren 1940 bis 2009 stellten die Forscher fest, dass die Fischer Hitzewellen mit zwei Jahren Verzug zu spüren bekamen. Das entspricht genau der Zeitspanne, die diese Tiere benötigen, um vom Jungtier zur geschlechtsreifen Krabbe heranzuwachsen. np