Demut und Rechthaberei

Während Parteichef Seehofer dem Unmut des CSU-Vorstands am Wochenende verständnisvoll begegnete, geriet Gauweiler auch wegen mangelnder Einsicht unter Beschuss.

Zeitenwende bei der CSU : Aus dem autoritären Alleinherrscher Horst Seehofer wurde am Samstag der demütige Mannschaftsspieler. Das berichten Teilnehmer aus der Sonderklausur des CSU-Vorstands am Wochenende in München. Den Zorn der CSU-Vorständler über die mit 40,5 Prozent enttäuschend verlaufenen Europawahl vom 25. Mai bekam aber vor allem Parteivize Peter Gauweiler zu spüren.

Neuneinhalb Stunden hatte das CSU-Spitzengremium über Verantwortlichkeiten und Konsequenzen aus dem schlechtesten CSU-Wahlergebnis seit 1954 diskutiert. Am Ende blieb ein deutlich gezähmter Parteichef. "Ich habe deutlich mehr Zeit für den Dialog", versprach Seehofer.

Der Parteichef versprach, die schon immer ausgegebene Parole der "Mitmach-Partei" nun auch wirklich umzusetzen, und beschwichtigte so die Vorständler. Dagegen zog sich Parteivize Peter Gauweiler den Zorn etlicher der 43 Redner zu.

Unter anderem der frisch gewählte Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, kreidete Gauweiler an, "nur selten" CSU-Gesamtpositionen zu vertreten. Der Europakritiker Gauweiler hatte unter anderem gegen die EU-Kommission als "Flaschenmannschaft" und "dumme nackte Kaiser" Stimmung gemacht.

Nicht zuletzt der Intervention Seehofers war es nach Teilnehmerangaben zu verdanken, dass sich CSU-Vorständler mit Forderungen nach einem sofortigen Rücktritt Gauweilers als CSU-Vize zurückhielten. Eine Wiederwahl Gauweilers bei den nächsten Vorstandswahlen 2015 dürfte sich aber erledigt haben.

Mehrere CSU-Granden erregten sich Schilderungen zufolge über die Verteidigungsrede Gauweilers, unter anderem die Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber ("absoluter Unsinn") und Theo Waigel. Gerade die Ukraine-Krise, so Waigel, hätte Gelegenheit geboten, die Notwendigkeit der EU herauszustellen.

Ungewöhnlich scharf erinnerte sogar der ehemalige Parteivize und Europaparlamentarier Ingo Friedrich seinen Nachfolger Gauweiler an die Pflichten eines Vizeparteichefs. Der Attackierte blieb ohne Beistand.

Während Gauweiler mit seinem - so ein CSU-Vorstand - "trotzigen und rechthaberischen" Auftreten als Blitzableiter fungierte, wurde Seehofer nur indirekt kritisiert. Demütig habe er sich verhalten, hieß es aus Teilnehmerkreisen, und er habe das Signal "Ich habe verstanden" ausgesandt. > Seite A4: Meinung