Das Risikospiel der CSU

München. Liebeswerben im Bund, Rosenkrieg in Bayern: Zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl eskaliert in Bayern der Koalitionsstreit zwischen CSU und FDP zusehends - und wird damit zur Belastung für das erhoffte Berliner Bündnis. Die Bayern-Koalition ist als Testlauf für die Machtübernahme im Bund gedacht. Doch das Münchner Koalitionsklima wird täglich eisiger

München. Liebeswerben im Bund, Rosenkrieg in Bayern: Zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl eskaliert in Bayern der Koalitionsstreit zwischen CSU und FDP zusehends - und wird damit zur Belastung für das erhoffte Berliner Bündnis. Die Bayern-Koalition ist als Testlauf für die Machtübernahme im Bund gedacht. Doch das Münchner Koalitionsklima wird täglich eisiger. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein FDP-Stellvertreter Martin Zeil reden nur noch übereinander, nicht mehr miteinander. Gestern erreichte der Streit einen neuen Höhepunkt. Vizeregierungschef Zeil warf Seehofer öffentlich vor, Parteiinteressen vor das Wohl Bayerns zu stellen und damit auch die Erfolgschancen von Union und FDP im Bund zu gefährden. Angezettelt hatte den Streit kurz vor der Sommerpause die CSU. Die FDP holzt grob zurück: "Ich habe den Eindruck, dass er (Seehofer) viel zu sehr beschäftigt ist als Parteichef und die Rolle des Regierungschefs etwas in den Hintergrund tritt", sagte Zeil. Das bayerische Sommerdrama hat einen einfachen Hintergrund: Seehofer will als CSU-Chef seine Partei wieder zu alter Stärke zurückführen. Eine Rückkehr zur Alleinherrschaft in Bayern ist aber naturgemäß nur möglich, wenn die CSU den Koalitionspartner FDP eines Tages wieder aus der Regierung vertreibt. Doppelter Schachzug Daher wollen die Christsozialen die erstarkte FDP klein halten. Dazu gehört, dass die CSU zum ersten Mal eine Zweitstimmenkampagne führt. "Zwei, die zusammengehören" ist jetzt das CSU-Wahlkampfmotto in Bayern. Auch wenn Generalsekretär Alexander Dobrindt dies abstreitet, zielt die Kampagne eindeutig auf die FDP. Das CSU-Präsidium vereinbarte am Samstag zudem, die FDP als "Partei der Kälte" darzustellen. Doch Seehofer geht es keineswegs nur um die FDP. In einem doppelten Schachzug will der CSU-Chef auch eine Partei treffen, über die überhaupt nicht gesprochen wird: die SPD. Denn eines der Hauptargumente der Sozialdemokraten im Bundestagswahlkampf ist die Warnung vor der sozialen Kälte, die mit einem schwarz-gelben Bündnis in der Republik Einzug halten werde. Diese Warnungen will Seehofer entkräften und der SPD damit Wähler entführen. Denn die CSU-Spitze glaubt, dass auch bei der schwachen Bayern-SPD durchaus noch Stimmen zu holen sind. Daher betont Seehofer unermüdlich, dass es mit der CSU keine neoliberalen Streichkonzerte geben werde. Gleichzeitig betonen CSU-Spitzenleute, dass die FDP der Wunschpartner in Berlin bleibt. Doch das Klima hat sich mittlerweile so verschlechtert, dass der kontrollierte Konflikt aus dem Ruder zu laufen droht. "Bestimmte Politiker in Bayern" erweckten den Eindruck, als wollten sie Schwarz-Gelb nicht mehr, klagt Zeil. "Wer hier das Eigentor bevorzugt, der spielt mit dem Feuer - und zwar nicht nur für Bayern, sondern für Deutschland."

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