Charmante Erbin

Mainz. Sie heißt Marie-Luise, aber niemand kennt sie unter diesem Namen. Der fällt nur alle fünf Jahre nach gewonnenen Landtagswahlen, scherzte Ministerpräsident Kurt Beck einmal. Die Frau, die als seine Nachfolgerin zur ersten Regierungschefin in Rheinland-Pfalz aufsteigt, wird von aller Welt Malu genannt. Eine niedliche Koseform, die zu ihrem Wesen passt

Mainz. Sie heißt Marie-Luise, aber niemand kennt sie unter diesem Namen. Der fällt nur alle fünf Jahre nach gewonnenen Landtagswahlen, scherzte Ministerpräsident Kurt Beck einmal. Die Frau, die als seine Nachfolgerin zur ersten Regierungschefin in Rheinland-Pfalz aufsteigt, wird von aller Welt Malu genannt. Eine niedliche Koseform, die zu ihrem Wesen passt. Malu Dreyer ist charmant, fröhlich und herzlich. Sie verfügt über die seltene Gabe, mit ihrem ansteckenden Lachen und ihrer authentischen Art Menschen zu gewinnen.

Erst seit sechs Jahren weiß man, dass die gebürtige Pfälzerin - sie stammt aus Neustadt an der Weinstraße - auch eine starke Frau sein muss. Damals machte sie ihre Krankheit öffentlich. Dreyer leidet seit 18 Jahren an Multipler Sklerose (MS), einer chronisch entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nur selten kann sie alleine gehen, meistens wird sie gestützt oder fährt im Rollstuhl.

Trotz dieses Handicaps merkt man Dreyer, mit dem Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen verheiratet ist, kaum etwas davon an, weil sie sich nichts anmerken lässt. Ihre politische Karriere begann sie 1995 als Bürgermeisterin von Bad Kreuznach, damals noch parteilos. Schnell fiel ihr Talent auf, und zwei Jahre später wurde die Juristin Sozialdezernentin der Stadt Mainz. Kurt Beck holte Dreyer, zu der er seit jeher ein enges Verhältnis pflegt, 2002 als Arbeits-, Gesundheits- und Sozialministerin ins Kabinett. Mittlerweile ist sie die dienstälteste Gesundheitsministerin in Deutschland. Als versierte Expertin auf ihren Gebieten genießt die 51-Jährige über Parteigrenzen hinweg Respekt, obwohl sie eine ausgewiesene Sozialdemokratin ist und stets die Fahne der sozialen Gerechtigkeit schwingt. Dreyer kommt mit der FDP zurecht, sie kann gut mit den Grünen, und selbst die oppositionelle CDU findet selten kritische Worte.

Beim grünen Koalitionspartner kommt die Entscheidung der SPD gut an. "Sie war unsere heimliche Wunschkandidatin", lässt sich Fraktionschef Daniel Köbler entlocken. Die Koalition werde weiter hervorragend zusammenarbeiten. Und strategisch sei diese Wahl mit Blick auf die nächste Landtagswahl 2016 günstig.

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