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CDU-Parteitag: Wie Ziemiak sein Meisterstück ablieferte

CDU-Parteitag : Wie Ziemiak sein Meisterstück ablieferte

Angela Merkels lustloses Grußwort, Annegret Kramp-Karrenbauers selbstkritische Rede: Die Gewinner und Verlierer des Online-Parteitags der CDU.

Ein strahlender Sieger: Armin Laschet. Drei betrübte Verlierer: Friedrich Merz, Norbert Röttgen und der abgewatschte Jens Spahn. Doch der CDU-Parteitag kennt noch mehr Gewinner und Verlierer. Wen?

Angela Merkel: Die Kanzlerin enttäuschte viele Delegierte bei ihrer Grußbotschaft am Freitagabend. Merkel spulte ihre Rede leidenschaftslos herunter. Versteckt gab sie einen Hinweis, wen sie als Vorsitzenden präferiert – sie wünsche sich „ein Team“, das die CDU führe. Laschet und Spahn traten als solches an. Übelgenommen wurde der Kanzlerin vor allem, dass sie kein einziges Wort zu Annegret Kramp-Karrenbauer verlor. Ein schwerer Fauxpas. Dabei hatte sie die Saarländerin nach Berlin geholt, um sie als Nachfolgerin zu installieren. Merkel – eine Verliererin.

Paul Ziemiak: Nach dem Parteitag erlebte man den CDU-Generalsekretär mehr als gelöst, fast glücklich. Der erste digitale Konvent ging exzellent über die Bühne, es gab keine größeren Probleme. Das ist vor allem Ziemiaks Verdienst gewesen. Als das Kandidatenrennen im Februar letzten Jahres begann, galt sein Verbleib im Amt des Generals als eher unwahrscheinlich. Doch der gerade mal 35-Jährige hat mit dem Parteitag sein Meisterstück abgeliefert. Nach der Bundestagswahl könnte er sogar mit einem Ministeramt belohnt werden. Ziemiak – der Gewinner.

Peter Altmaier: Der Wirtschaftsminister spielte auf dem Konvent keine wichtige Rolle, auch wenn er per Video am zweiten Tag interviewt wurde. Aber der Umstand, dass Friedrich Merz nach seiner Niederlage prompt Altmaiers Ressort beanspruchte, rückte Altmaier plötzlich ins Scheinwerferlicht. Im Netz solidarisierte sich fast jeder mit dem Saarländer, auch Politiker anderer Parteien. Der Minister selbst zeigte sich unbeeindruckt, auch wegen der Rückendeckung der Kanzlerin und des neuen CDU-Chefs. Altmaier – unverhofft ein Gewinner.

Mike Mohring: Der frühere Thüringer CDU-Landeschef war wieder eine tragische Figur. Amt und Würden hat er bereits in seinem Heimatland verloren nach der Kooperation der CDU mit der AfD, über die auch Kramp-Karrenbauer stolperte. Für das Präsidium durfte er nicht mehr antreten. Mohring schaffte es dann mit 527 Stimmen nur knapp in den Bundesvorstand. Bei Twitter bedankte er sich, fügte aber hinzu: „Ich bin nicht ohne Fehl und Tadel.“ Mohring – erneut ein Verlierer.

Annegret Kramp-Karrenbauer: Die Ex-CDU-Chefin hielt am ersten Tag eine gute Rede, wie viele Beobachter ihr attestierten. Selbstkritisch gab sich die Saarländerin in der Rückschau, sie zog zudem eine ehrliche Bilanz ihrer zweijährigen Amtszeit. Die anschließenden Lobeshymnen der Parteifreunde verfolgte AKK zum Teil mit feuchten Augen. Bei ihrem Abgang zeigte sie auf alle Fälle Stärke und Größe. Kramp-Karrenbauer – eine späte Gewinnerin.

Markus Söder: In seinem Grußwort am Freitag setze er die richtigen Schwerpunkte. Am Ende gab es ein amüsantes Wortgefecht mit Paul Ziemiak. Der CDU-General fragte Söder, ob er eine CDU-Parteitagstasse vor sich stehen habe. Der Bayer ist für seine Tassen bekannt. Söder sagte, er habe keine, worauf Ziemiak ihm anbot, eine zu schicken. „Wenn ein Angebot der CDU an mich kommt, dann werde ich das entsprechend gewichten“, sagte der CSU-Chef grinsend. Die Kanzlerkandidatur lässt grüßen. Söder – erneut ein Gewinner.