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"Bundeswehr fehlt Anerkennung"

"Bundeswehr fehlt Anerkennung"

Berlin. Deutsche stehen mit ihren Soldaten oft auf Kriegsfuß - vor allem deren Leistungen in Auslandseinsätzen werden nach Ansicht von Politikern nicht gebührend gewürdigt. Mit Rekruten-Gelöbnissen wie gestern vor dem Reichstagsgebäude und einem zentralen Ehrenmal versucht das Verteidigungsministerium, die Bundeswehr mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken

Berlin. Deutsche stehen mit ihren Soldaten oft auf Kriegsfuß - vor allem deren Leistungen in Auslandseinsätzen werden nach Ansicht von Politikern nicht gebührend gewürdigt. Mit Rekruten-Gelöbnissen wie gestern vor dem Reichstagsgebäude und einem zentralen Ehrenmal versucht das Verteidigungsministerium, die Bundeswehr mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Neuerdings werden auch wieder Tapferkeitsorden verliehen. Doch mögen die Bürger die Truppe deshalb lieber?

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, sagte gestern anlässlich des Gelöbnisses: "Das sind wichtige symbolische Gesten. Aber man kann menschliche Zuwendung nicht staatlich verordnen." Der Verbindungsmann von Parlament und Bundeswehr wünscht sich, dass die Deutschen aus innerer Überzeugung ihre Armee unterstützen. Er vermisst vor allem die Befürwortung durch die intellektuelle Schicht. So sagte der Sozialdemokrat, Überzeugung könne nur entstehen, wenn sich die großen gesellschaftlichen Kräfte angesprochen fühlten. "Zum Beispiel die ganze intellektuelle Welt. Sie hat sich in den 60 Jahren Bundesrepublik so gut wie gar nicht um die Bundeswehr gekümmert."

Das so genannte Feierliche Gelöbnis findet traditionell am Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 statt. Die Linke forderte angesichts der von Robbe beklagten mangelnden Anerkennung der Bundeswehr, die deutschen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. "Die Gesellschaft will diesen Krieg und andere Auslandseinsätze nicht", erklärte die Bundestagsabgeordnete Inge Höger. Sie nannte die geplanten Proteste gegen das Gelöbnis "richtig". Am 20. Juli 1944 hatten Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitstreiter versucht, Hitler durch eine Bombe zu töten. Das Attentat schlug fehl, von Stauffenberg und weitere Verschwörer wurden hingerichtet. Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) forderte gestern, Deutschland solle "unvoreingenommen stolz auf die Männer und Frauen des Widerstandes sein".

Unterdessen wurde gestern bekannt, dass bei den Schüssen von Bundeswehrsoldaten auf ein Fahrzeug nahe einer deutschen Stellung im Norden Afghanistans entgegen ersten Angaben ein afghanischer Jugendlicher getötet worden ist. Zwei Menschen wurden schwer verletzt, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gestern sagte. Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft den Fall. Der Ministeriumssprecher korrigierte damit erste Angaben, wonach zwei Zivilisten getötet und zwei verletzt worden seien.

Der CDU-Verteidigungsexperte Bernd Siebert hat derweil die Einrichtung einer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für solche Fälle gefordert. "Wir wollen für all diese Einsätze eine zentrale Staatsanwaltschaft", sagte Siebert. Er fügte hinzu: "Es muss ein Vorermittlungsverfahren geben. Doch das muss so schnell wie möglich beendet werden." Siebert hob mit Blick auf den jüngsten Fall hervor: "Meiner Ansicht nach haben sich die Soldaten richtig verhalten." Sie hätten mit einem Anschlag rechnen müssen. dpa/afp