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"Blutige Nase" für Cameron

"Blutige Nase" für Cameron

London. Eine offene Rebellion europakritischer Abgeordneter seiner Partei macht Großbritanniens Regierungschef David Cameron (Foto: afp) zu schaffen. Nachdem 79 Tory-Abgeordnete dem Premier bei einer Abstimmung über den künftigen Europa-Kurs die Gefolgschaft verweigerten, titelte die Zeitung "Daily Mail" gestern: "Blutige Nase für Cameron

London. Eine offene Rebellion europakritischer Abgeordneter seiner Partei macht Großbritanniens Regierungschef David Cameron (Foto: afp) zu schaffen. Nachdem 79 Tory-Abgeordnete dem Premier bei einer Abstimmung über den künftigen Europa-Kurs die Gefolgschaft verweigerten, titelte die Zeitung "Daily Mail" gestern: "Blutige Nase für Cameron." Es war die größte offene Rebellion in der Geschichte der Torys.Bei der Abstimmung am Montagabend ging es darum, ob in Großbritannien ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft des Landes abgehalten werden soll. Dabei stimmte das Parlament zwar klar mit 483 zu 111 Stimmen gegen das Referendum. Allerdings geschah dies nur dank Camerons Koalitionspartner, den europafreundlichen Liberaldemokraten, und der oppositionellen Labour-Partei. Von der Konservativen Partei des Regierungschefs stimmten 79 Abgeordnete für ein Referendum - obwohl Cameron aufgefordert hatte, mit "Nein" zu stimmen.

Den Rebellen drohen nun innerparteiliche Disziplinarstrafen, in der Öffentlichkeit aber haben sie offenbar viel Rückhalt. Laut einer gestern veröffentlichen Umfrage will eine knappe Mehrheit der Briten aus der Europäischen Union austreten. Einer weiteren Umfrage vom Montag zufolge wollen immerhin 68 Prozent, dass zumindest ein Referendum darüber stattfindet, ob Großbritannien weiter in der EU bleibt. Die Europagegner sehen die Selbstbestimmungsrechte Londons zu sehr eingeschränkt und lehnen "Bevormundungen" ab. Wasser auf ihre Mühlen war dabei, dass Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Medienberichten zufolge beim EU-Gipfel am Sonntag ausfällig gegenüber Cameron geworden sein soll.

Heute will Cameron erneut nach Brüssel reisen, wo unter anderem auf sein Betreiben hin vor dem Gipfel der Euro-Länder ein EU-Gipfel stattfindet. Damit will der britische Premier nach eigenen Angaben verhindern, dass beim Gipfel der Euro-Länder die Interessen der EU-Länder ohne Gemeinschaftswährung missachtet werden. afp