Bildungsstreit um „sexuelle Vielfalt“

Bildungsstreit um „sexuelle Vielfalt“

Die Regierung in Baden-Württemberg will, dass in Schulen künftig für die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ geworben wird. Dagegen regt sich heftiger Widerstand – von den Kirchen, aber auch von zehntausenden Bürgern.

Die Diskussion um das Thema Homosexualität im Unterricht in Baden-Württemberg zieht immer weitere Kreise. Die großen Kirchen sehen die von der grün-roten Landesregierung geplante Aufwertung des Themas in der Schule kritisch und unterstützen damit indirekt eine umstrittene Online-Petition gegen das Vorhaben.

Der Bildungsplan müsse sich am christlichen Menschenbild der Landesverfassung und des Schulgesetzes orientieren, erklärten die beiden evangelischen Landeskirchen Baden und Württemberg sowie die katholischen Diözesen Freiburg und Rottenburg-Stuttgart. Kinder und Jugendliche dürften bei ihrer Suche nach der sexuellen Identität nicht beeinflusst werden. Jeder Form der "Funktionalisierung, Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination" gelte es abzuwehren.

Hintergrund ist die Absicht der Landesregierung, die "Akzeptanz sexueller Vielfalt" als Ziel im Bildungsplan 2015 festzuschreiben. Das Vorhaben wurde im November bekannt. Kurze Zeit später startete ein Realschullehrer die Unterschriftensammlung im Internet. Sie hat bereits mehr als 80 000 Unterstützer. In vielen Kommentaren auf der Seite sind auch schwulenfeindliche Äußerungen zu lesen. Deutliche Kritik an der Kampagne übte Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD). Das Coming-Out des Ex-Fußballers Thomas Hitzlsperger zeige, dass es in allen Bereichen Homosexualität gebe, auch in einer Männerdomäne wie dem Fußball.

Im Saarland sind zu Beginn dieses Schuljahres neue Richtlinien für den Sexualkunde-Unterricht eingeführt worden. Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) verfolgt damit unter anderem das Ziel, Hetero-, Bi-, Homo-, Trans- und Intersexualität "als gleichwertige Ausdrucksformen des menschlichen Empfindens und der sexuellen Identität" darzustellen.