Beschnittenes Recht

Über die Beschneidung mag sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Für Juden und Moslems hat das blutige Ritual zentrale Bedeutung, für viele Christen und Atheisten ist es „grausame Praxis“.

Dass der Verband der Kinder- und Jugendärzte das vor einem Jahr erlassene Gesetz für "gescheitert" hält, ist ein Hinweis auf die Fragwürdigkeit der politischen Entscheidung, die von einer ganz großen Koalition im Eilverfahren getroffen wurde.

So bleibt die Frage, warum die Beschneidung angeblich nicht in symbolhafter Form vollzogen werden kann, wie auch andere religiöse Zeremonien. Das Ritual wird immer umstritten bleiben, schon weil sich die Betroffenen gegen ihre Verstümmelung nicht zur Wehr setzen können. Der Chirurg Bernd Tillig hat durchaus Recht: Mit dem Gesetz wurde auch das Grundrecht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit beschnitten.