1. Nachrichten
  2. Politik

Bedauern über Gaucks Verzicht auf Wiederwahl

Bedauern über Gaucks Verzicht auf Wiederwahl

Die Ankündigung von Bundespräsident Gauck, keine zweite Amtszeit anzustreben, ist parteiübergreifend mit Respekt und Bedauern aufgenommen worden. Gauck nannte sein Alter als Grund.

Nun ist es amtlich: Bundespräsident Joachim Gauck verzichtet aus Altersgründen auf die Bewerbung um eine Wiederwahl und scheidet am 17. März 2017 aus dem Amt. "Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen", räumte der 76-Jährige gestern bei einer Erklärung im Berliner Schloss Bellevue ein.

Parteiübergreifend zollte man dem Staatsoberhaupt Respekt für die Entscheidung. Sie hätte sich eine zweite Amtszeit gewünscht, erklärte Kanzlerin Angela Merkel (CDU ). Sie respektiere aber selbstverständlich die Entscheidung und danke Gauck für die bisherige Arbeit. Der SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel meinte, Gauck sei ein "toller Bundespräsident". Auch er bedauerte die Absage für eine zweite Amtszeit. Fast wortgleich klang es bei CSU-Chef Horst Seehofer . Gauck habe herausragende Arbeit geleistet und den Menschen Orientierung gegeben. "Dafür danke ich ihm", setzte Seehofer noch hinzu.

Saar-Minsterpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) erklärte, sie hätte sich eine zweite Amtszeit Gaucks gewünscht. Dieser habe "dem Amt die nötige Festigkeit und Würde zurückgegeben". Zugleich wandte sie sich gegen eine ,,überhitzte Personaldiskussion" um die Nachfolge.

Er wolle "für eine erneute Zeitspanne von fünf Jahren nicht eine Energie und Vitalität voraussetzen, für die ich nicht garantieren kann", sagte Gauck. Es gehe ihm gut, aber die Lebensspanne zwischen dem 77. und 82. Lebensjahr sei eine andere als seine jetzige. Nicht wenige hatten geglaubt, der Präsident würde wegen Flüchtlings- und EU- Krise sowie dem Erstarken rechter Kräfte dem Drängen nachgeben, im Amt zu bleiben. Er aber sagte gestern, der Wechsel im Amt des Bundespräsidenten sei "demokratische Normalität, auch in fordernden Zeiten".

Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Karl-Rudolf Korte wird Gauck dem Land politisch fehlen. "Er ist ein Freiheitspatriot, der in der Flüchtlingsfrage Profil gezeigt hat. Wir brauchen ihn mehr denn je", sagte er der SZ. > e