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Zugausfälle in Frankreich: SNCF-Mitarbeiter streiken gegen Rentenreform

SNCF-MItarbeiter stemmen sich gegen geplante Rentenreform : Arbeitskampf behindert Bahnverkehr in Frankreich

Die Angestellten der staatlichen SNCF stemmen sich gegen eine geplante Rentenreform, die ihnen viele Privilegien nehmen würde.

Das große Chaos in Frankreich ist ausgeblieben. Nach einem Streikaufruf von zwei Gewerkschaften ist es am Dienstag zwar zu Behinderungen im französischen Bahnverkehr gekommen. Wie die staatliche Bahngesellschaft SNCF mitteilte, lief der internationale Zugverkehr – unter anderem nach Deutschland – aber normal. Ausfälle von Zügen habe es hingegen vor allem im Regionalverkehr gegeben, was die streikerprobten Pendler allerdings mit einiger Gelassenheit hinnahmen.

Wie bereits bei einem Streik der Beschäftigen der Pariser Metro vor einigen Tagen, ging es auch bei dem Ausstand der SNCF-Angestellten um die geplante Rentenreform. Ziel der französischen Regierung ist es, die Zersplitterung in Einzelsysteme für bestimmte Berufsgruppen zu beenden, zudem sollen Arbeitnehmer dazu gebracht werden, länger zu arbeiten. Die Rentenreform gilt als wichtigste Sozialreform in der noch bis zum Jahr 2022 dauernden Amtszeit von Präsident Emmanuel Macron. Vor allem die Gewerkschaften der staatlichen Betriebe sind deswegen in höchster Alarmstimmung, befürchten sie doch tiefe Einschnitte und das Wegfallen vieler Privilegien ihrer Mitglieder.

Der aktuelle Protest richtet sich unter anderem gegen die Abschaffung der 42 Sondersysteme für Berufsgruppen im öffentlichen Dienst. So gehen etwa die Mitarbeiter der SNCF wesentlich früher in Rente als andere Beschäftigte in Frankreich. Zugführer können zum Beispiel schon mit 52 Jahren aufhören zu arbeiten. Nach Angaben des französischen Rechnungshofes liegt das Renteneintrittsalter bei Mitarbeitern der französischen Nahverkehrsbetriebe im Schnitt bei 55,7 Jahren, im allgemeinen Rentensystem dagegen bei 63 Jahren. Arbeitnehmer können in Frankreich derzeit mit 62 Jahren in Rente gehen. Eine Rente ohne Abzüge gibt es bei einem Renteneintritt vor dem Alter von 67 Jahren aber nur, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Wer im Jahr 1961 geboren wurde, muss dafür beispielsweise 42 Jahre rentenversichert gewesen sein oder bestimmte Ausnahmekriterien erfüllen.

Die französische Regierung plant für die Zukunft ein einheitliches Rentensystem für alle Berufsgruppen – mit Rentenpunkten, die Arbeitnehmer im Laufe ihrer Karriere sammeln. „Je mehr von uns Beiträge zum selben System zahlen, desto stärker werden die Solidarität und die Absicherung sein“, erklärte jüngst Premierminister Édouard Philippe. Er argumentierte auch, dass das französische Rentensystem bisher nicht ausreichend an den demografischen Wandel im Land angepasst worden sei. Der Regierungschef versicherte, bereits erworbene Rentenansprüche würden nicht angetastet.

Im Moment berät sich die Regierung noch mit den Sozialpartnern über die Ausformung der Veränderungen. Angestrebt ist eine Parlamentsabstimmung noch vor der Sommerpause im kommenden Jahr. Das neue Rentensystem soll dann von 2025 an in Frankreich eingeführt werden.