Großbritannien : Theresa May hofft auf den Freifahrtschein zum Wahlsieg

Als Theresa May im April vorgezogene Neuwahlen ankündigte, erwarteten die meisten Beobachter ein zweites Referendum über Großbritanniens EU-Mitgliedschaft. Es war jenes Thema, bei dem sich die Premierministerin so überlegen fühlte, dass sie fortan unaufhörlich ihre „starke und stabile Führung“ pries, die nötig sei, um die Verhandlungen mit Brüssel zum Erfolg zu machen. Die meisten Briten vertrauten Mays Versprechen einer strahlenden Zukunft für das Königreich. In Umfragen lag sie so weit vor Jeremy Corbyn, dem Chef der oppositionellen Labour-Partei, dass die Wahl als unverlierbar galt.

Als Theresa May im April vorgezogene Neuwahlen ankündigte, erwarteten die  meisten Beobachter ein zweites Referendum über Großbritanniens EU-Mitgliedschaft. Es war jenes Thema, bei dem sich die Premierministerin so überlegen fühlte, dass sie fortan unaufhörlich ihre „starke und stabile Führung“ pries, die nötig sei, um die Verhandlungen mit Brüssel zum Erfolg zu machen. Die meisten Briten vertrauten Mays Versprechen einer strahlenden Zukunft für das Königreich. In Umfragen lag sie so weit vor Jeremy Corbyn, dem  Chef der oppositionellen Labour-Partei, dass die Wahl als unverlierbar galt.

May wollte ein klares Mandat, nachdem sie voriges Jahr lediglich von ihrer Partei zur Vorsitzenden gekürt wurde. Doch die überraschende Ankündigung, Wahlen abzuhalten, zeugte von einer gewissen Arroganz. Sie glaubte, der Sieg sei eine Formalie. Und offenbar herrschte bei ihr der Eindruck vor, das Land habe keine inhaltli­che Debatte verdient. Stattdessen zog die Regierungschefin mit leeren Slogans durchs Land. Die Kampagne ist auf ihre Person zugeschnitten. Für einen personifizierten Wahlkampf aber sind Charisma, Empathie und Schlagfertigkeit notwendig – Eigenschaften, die May fehlen. Und ja, es braucht auch ein Programm. Die vergangenen Wochen dürften als schlechtester Wahlkampf in die Geschichte der Konservativen eingehen.

Mittlerweile prägt das Thema Sicherheit die Debatten. In weniger als drei Monaten war das Land drei Mal Ziel verheerender Terror­anschläge, und plötzlich holte May die Vergangenheit ein: In ihrer sechsjährigen Amtszeit als Innenministerin hatte sie nämlich tausende Polizeistellen gestrichen. In der Regel helfen Attentate der aktuellen Regierung, gerade dann, wenn die Konservativen am Ruder sind. Die Tories präsentieren sich gern als Partei von Recht und Ordnung. Dass ihnen das derzeit nicht gelingen will, liegt an der Premierministerin.

Seit Tagen versucht sie, die Aufmerksamkeit wieder auf den  Brexit zu lenken. Dass dies ihr Trumpf sein soll, wirkt auf viele Beobachter befremdlich. Denn außer Plattitüden hat sie bislang kaum etwas anzubieten. Allein die harte Linie gegenüber der EU scheint ihre Strategie zu sein, und die Medien vermeiden es, sie mit Fragen zu konkreten Inhalten zu behelligen. Schon das allein ist ein Skandal angesichts der Bedeutung des EU-Austritts. Die meisten Briten realisieren weder die Komplexität noch die Tragweite, und May hat es versäumt, die Menschen auf notwendige Kompromisse vorzubereiten. Sie fordert einen Blankoscheck für den Bruch mit Brüssel. Doch dass die Scheidung teuer wird, so ziemlich jeden Bereich des Lebens betrifft und das Land vor nie dagewesene Herausforderungen stellen wird, das ist offenbar sogar dem Gros der Entscheidungsträger entgangen.

Auch Corbyn, schon immer ein Europa-Skeptiker, lässt es an konkreten Vorschlägen fehlen, wie der Brexit für Großbritannien zum Erfolg werden soll. Und versucht  deshalb, weiter auf innenpolitische Themen zu setzen. Helfen dürfte ihm das nicht – zu vielen Briten gilt der Alt-Linke noch immer als unwählbar.