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Türkei verlegt Waffen und Soldaten an türkisch-syrischer Grenze

Drohung aus Ankara : Türkei verlegt Truppen an syrische Grenze

Erdogans Drohkulisse wird konkreter: Nach der Ankündigung einer baldigen militärischen Offensive gegen kurdische Milizen in Nordsyrien hat die Türkei an der Grenze zum Nachbarland Waffen und Truppen bewegt.

Die Nachrichtenagentur DHA berichtete am Sonntag, dass Soldaten im südosttürkischen Grenzort Akcakale Panzer und Artilleriegeschütze aufstellten. Die Waffen seien auf den gegenüberliegenden syrischen Ort Tel Abyad gerichtet worden.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Samstag in Ankara gesagt, die Türkei stehe kurz vor einem Militäreinsatz in Syrien. Der Einsatz könne „heute oder morgen“ beginnen. Ziel einer Offensive sind die kurdischen YPG-Milizen östlich des Flusses Euphrat, die an der türkisch-syrischen Grenze Gebiete kontrollieren. Die Türkei betrachtet die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terror-Gruppe.

Die Türkei war schon 2016 und 2018 auf syrisches Gebiet vorgerückt, beide Male westlich des Flusses Euphrat. Erdogan hatte die Drohung einer Offensive östlich des Euphrat zuletzt mehrfach wiederholt. Die türkische Regierung fordert in Nordsyrien seit langem eine Zone unter ihrer alleinigen Kontrolle. Erdogan hat diese auch als Siedlungsgebiet für syrische Flüchtlinge aus der Türkei und Europa ins Spiel gebracht. In seinem Land kippt die Stimmung gegenüber den Millionen Flüchtlingen angesichts wirtschaftlicher Probleme.

Bei einem Besuch von Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag und Freitag warben türkische Minister um Unterstützung der EU für den Aufbau der Zone, unter anderem für Unterkünfte und Krankenhäuser.

Die Eskalation der Drohung, in Nordsyrien einzumarschieren, dürfte den Forderungen der Türkei Nachdruck verleihen. Ähnliches hatte im Sommer Früchte getragen. Nachdem Erdogan mehrfach mit der Offensive gedroht hatte, sagten die USA zu, bei der Einrichtung der „Sicherheitszone“ zu helfen – auch, um den Angriff auf ihren verbündeten YPG zu verhindern. Eine von Erdogan gesetzte Frist für die Fertigstellung der Zone war Ende September verstrichen.