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Seit der US-Wahl: Beziehungskrise zwischen Trump und Fox News

Trump und Fox News : Es funkt nicht mehr wie vor der Wahl

Lange waren US-Präsident Donald Trump und der Sender Fox News ganz eng. Seit der Wahlnacht kriselt es. Auch weil ein anderer kein Verlierer sein will.

Neulich hat sich, aus Sicht Donald Trumps, Unerhörtes zugetragen. Im Presseraum des Weißen Hauses wiederholte Sprecherin Kayleigh McEnany, was er seit Tagen in zornigen Tweets behauptet. Sie sprach von massivem Wahlbetrug und davon, dass die Demokraten froh seien über jede illegal abgegebene Stimme. Da beendete die Regie von Fox News die Übertragung, obwohl McEnany gerade erst in Fahrt kam. Moderator Neil Cavuto begründete es mit dem Mangel an belastbaren Informationen. „Lassen Sie mich das klar sagen: Sie unterstellt der anderen Seite, Betrug gutzuheißen. Solange sie keine Details bringt, um es zu belegen, können wir Ihnen das nicht guten Gewissens zeigen.“

Fox News und Trump, das war über Jahre eine Beziehung zum gegenseitigen Vorteil. Der Präsident sorgte für rekordhohe Einschaltquoten, weil man wusste, dass er sich in dem Sender gern spontan zu Wort meldete. Und der Sender sorgte dafür, dass sich der Präsident spontan zu Wort melden konnte, ohne mit Widerspruch rechnen zu müssen.

Mal geschah das im Frühstücksfernsehen, wenn Trump sich telefonisch zuschaltete, bevor er seinen Arbeitstag begann. Mal ließ er sich abends mit den Moderatoren Sean Hannity, Tucker Carlson oder Laura Ingraham verbinden, um live das Zeitgeschehen zu kommentieren.

Hannity gilt als der informelle Spin-Meister des Kabinetts, nie darum verlegen, jede noch so strittige Entscheidung als Geniestreich zu verkaufen. Carlson war im Juni 2019 in aller Munde, weil er dazu beigetragen haben soll, dass ein bereits geplanter Militärschlag gegen Iran in letzter Minute abgeblasen wurde. Bewaffnete Interventionen in der Ferne sieht er skeptisch, weil sie sich in seinen Augen mit dem „America first“ schlecht vereinbaren lassen. Auch Ingraham versteht sich als Sprecherin einer republikanischen Parteibasis, die den Blick nach innen richtet, oft voller Misstrauen gegenüber dem Rest der Welt. Joe Bidens Programm charakterisiert sie denkbar polemisch mit dem Begriff „America last“, „Amerika zuletzt“.

Nun ist es nicht so, dass bei Fox News, dem 1996 vom Magnaten Rupert Murdoch ins Leben gerufenen Lieblingskanal der Konservativen, nur Propagandisten vor der Kamera sitzen. Eher ist es so, dass es zwei Sender unter einem Dach gibt. Für den anderen, durchaus seriös, stehen Journalisten wie Neil Cavuto, Bret Baier oder Chris Wallace, ein alter Hase, der dafür bekannt ist, in Interviews kritisch nachzuhaken. Am Sonntag nach der Wahl sprach er von Biden als dem klaren Gewinner, so sachlich, wie es auch CNN tat.

Seit der Niederlage des Amtsinhabers sieht es danach aus, als segelten Leute wie Cavuto, Baier und Wallace bei Fox im Aufwind. Hinter den Kulissen, berichtet die Washington Post, wirft Murdoch das Ruder allmählich herum, zumindest lässt er sich alle Optionen offen. Zieht Biden ins Weiße Haus ein, soll sein Sender mehr sein als das Sprachrohr verbitterter Trump-Anhänger. So eindeutig der Australier konservative Politiker favorisiert, so sehr hasst er es, auf der Verliererseite zu stehen. In Großbritannien wechselte er vom Lager der Tories zu New Labour, als der Senkrechtstarter Tony Blair sich anschickte, seine erste Wahl zu gewinnen. „Give Change a Chance!“, titelte 1997 die Sun, Murdochs auflagenstärkstes Boulevardblatt. Ähnliches könnte sich nun in den USA wiederholen, erste Anzeichen gibt es bereits. „It‘s Joe Time!“, titelte am Sonntag die schrille New York Post, das US-Gegenstück zur Sun.

Begonnen hatte die Beziehungskrise zwischen Trump und Murdoch bereits vor Monaten. Trumps Team bat um eine Art Mengenrabatt für Wahlwerbung, der Sender lehnte ab, was Trump als Affront empfunden haben soll. Für Ärger bei seinen Anhängern sorgte auch, dass Fox News Biden noch in der Wahlnacht zum Sieger in Arizona erklärte, während andere Kanäle erst jetzt nachzogen.

Fox News geht auf Distanz zu Trumps Wahlbetrugs-Tiraden – nur ein Grund für die neue Missstimmung. Foto: dpa/Evan Vucci

Neue Sender-Prognosen gab es auch am Freitag: CNN und andere prognostizierten, dass Wahlsieger Biden Georgia gewonnen habe, Trump North Carolina. Damit wären alle Bundesstaaten entschieden. Biden habe 306 Wahlleute gewonnen, hieß es. Nötig waren 270.