Schluss mit lustig am Ballermann. Mallorca macht ernst im Kampf gegen Sauftourismus: Künftig sind Happy Hour, Freibier und organisiserte Trinktouren verboten.

Hohe Strafen drohen : Schluss mit lustig an Ballermann & Co.

Mallorca macht ernst im Kampf gegen Sauftourismus: Künftig sind Happy Hour, Freibier und organisiserte Trinktouren verboten.

„Bist du bereit, die Nacht durchzumachen?“, heißt es in der Werbung für die Nonstop-Kneipentour auf Mallorca zum Pauschalpreis. „Und wenn wir sagen die ganze Nacht, dann meinen wir auch die ganze Nacht“, bekräftigt die Partyagentur. Grenzenloses Saufen inbegriffen. Diese organisierten Massenbesäufnisse heißen „pub crawl“ in der Szene. Ein englischer Ausdruck, der darauf anspielt, dass die Teilnehmer nach der Tour durch die pubs (Kneipen) oftmals nur noch in der Lage sind, auf allen Vieren zu kriechen (crawl).

Doch mit diesem Trinken bis zum Umfallen soll es nun vorbei sein. Die Regierung der Baleareninseln, zu denen Mallorca und Ibiza gehören, hat den Alkoholexzessen den Kampf angesagt. Nicht nur „pub crawls“ für die hart gesottenen Kampftrinker sind künftig untersagt. Auch anderen Offerten, mit denen bisher feierfreudige Touristen angelockt wurden, geht es an den Kragen: Freibier und Happy Hour werden verboten, All-inclusive-Angebote dürfen nur drei Gratis-Alkoholdrinks pro Mittag- oder Abendessen enthalten.

Der Bann gilt zunächst nur in den bekannten Partyhochburgen auf Mallorca und Ibiza. Konkret heißt das zum Beispiel auf Mallorca: an der vor allem von Deutschen frequentierten Playa de Palma – wegen ihrer vielen Sauftempel auch als Ballermann verschrien; und in der britischen Alkohol-Hochburg Magaluf. Auf der Nachbarinsel Ibiza trifft der Bannstrahl das berühmte Ausgehviertel West End im Urlaubsort San Antonio.

Mit den neuen Benimmregeln, die per Regierungsdekret beschlossen wurden, wolle man ein neues Urlaubsmodell durchsetzen, verkündet der balearische Tourismusminister Iago Negueruela. „Wir wollen nicht länger, dass unsere Inseln ein Ziel für den Sauftourismus sind.“ Die Alkoholexzesse schadeten dem Ansehen Mallorcas und Ibizas.

Mit Exzessen meint der Minister jene hässlichen Bilder, die jedes Jahr für Negativschlagzeilen sorgen. Prügeleien in den Amüsiervierteln, Alkoholleichen an den Strandpromenaden, die Belästigung von Anwohnern und Touristen durch grölende Betrunkene, sexuelle Ausschweifungen. Auch das schon länger verbotene Eimertrinken, bei dem alkoholische Getränke mit langen Strohhalmen aus 10-Liter-Kübeln getrunken werden, gehört zu diesen Ausschweifungen.

Die neuen Anstandsnormen nehmen nun auch Hoteliers, Gastwirte und Getränkeshops in die Pflicht: So darf der Einzelhandel in den Partyzonen auf Mallorca und Ibiza zwischen 21.30 und acht Uhr morgens keinen Alkohol mehr verkaufen. Auch nicht über jene Getränkeautomaten, die an jeder Straßenecke stehen. Und ganz allgemein ist der Partyindustrie künftig alles, was darauf abzielt, den Konsum anzuleiern, untersagt. Also auch Sonderangebote wie: „Trink zwei Bier und bezahl nur eines.“

Bei Zuwiderhandlung drohen empfindliche Geldstrafen zwischen 1000 und 600 000 Euro. Je nachdem, ob der Fehltritt als leichte oder schwere Ordnungswidrigkeit eingestuft wird. Die Höchststrafe kann zum Beispiel verhängt werden, wenn Alkohol an unter 18-Jährige ausgeschenkt oder verkauft wird.

„Mit dem Gesetz wird Mallorca zum Pionier bei der Bekämpfung von Saufexzessen“, sagt Tourismusminister Negueruela. Mit der Reisebranche sei dieses Vorgehen abgesprochen. In der Tat drängen viele Hoteliers schon länger darauf, dem Alkoholtourismus den Hahn zuzudrehen. Sie setzen nun verstärkt auf Qualitätsurlaub, um etwa Familien, Aktivurlauber und betuchtere Gäste anzulocken. Deswegen wurden in den letzten Jahren viele Gästeherbergen modernisiert und auf vier oder sogar fünf Sterne hochgerüstet.

Entscheidend sei in der Zukunft vor allem eines, sagt eine Sprecherin des örtlichen Hotelverbandes: Die neuen Sittengesetze müssten jetzt auch wirklich durchgesetzt werden. Denn Ankündigungen von Sittenfeldzügen hat es in der Vergangenheit schon viele gegeben – die Sauftouristen haben sich dadurch bisher aber nicht abschrecken lassen.