Hochdekorierter Kriegsheld oder eiskalter Mörder? In den USA muss sich der Navy-Seals-Soldat Edward Gallagher vor Gericht verantworten, weil er einen verwundeten Terroristen erstochen haben soll.

US-Soldat Edward Gallagher vor Gericht : Verdacht auf eine eiskalte Tat

In den USA muss sich der Navy-Seals-Soldat Edward Gallagher vor Gericht verantworten, weil er einen verwundeten Terroristen erstochen haben soll.

In den Augen mancher ist Edward Gallagher ein Kriegsheld. Ein hochdekorierter Soldat der US-Spezialeinheit Navy Seals, der sein Leben für sein Land riskierte. Aber die Vorwürfe, die Ermittler gegen den 39-Jährigen erheben, wiegen schwer. Sie beschuldigen ihn, 2017 im Irak einen verletzten Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erstochen und später neben dessen Leiche posiert zu haben. Auch wird ihm vorgeworfen, auf Zivilisten geschossen zu haben. Jetzt muss Gallagher sich vor einem Militärgericht in San Diego wegen Mordes und anderer Anklagepunkte verantworten. Er weist die Vorwürfe zurück. Auch einige seiner Kameraden  widersprechen den Anschuldigungen. Der Fall schlägt seit Monaten Wellen in den USA. Mehrere Dutzend Republikaner sind Gallagher zur Seite gesprungen.

Rückblick: Im Mai 2017 ist Gallagher in Mossul stationiert, es ist sein achter Einsatz. Die Stadt war einst die IS-Hochburg im Irak, bei Gallaghers Einsatz befinden sich noch immer einige Bezirke unter Kontrolle der Terroristen, die Schlacht um die Rückeroberung läuft. Amerikanische Spezialkräfte unterstützen das irakische Militär dabei.

In dem konkreten Fall, der sich am oder um den 3. Mai abgespielt haben soll, sollen irakische Soldaten einen jungen IS-Kämpfer gefangen genommen haben, der bei einem Luftangriff verletzt wurde. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, werfen die Ermittler der Marine Gallagher vor, ihn getötet zu haben. Die „New York Times“ hat Details aus einem geheimen Untersuchungsbericht veröffentlicht, die es in sich haben: Demnach soll ein Sanitäter der US-Marine den IS-Kämpfer behandelt haben, als Gallagher auf den Verletzten zugegangen sei und dem Teenager mit einem Messer mehrmals in den Hals und in die Seite gestochen habe. Später habe er neben der Leiche für eine Vereidigungszeremonie posiert, während ein anderer Soldat eine amerikanische Flagge hochgehalten habe. Nach dem Vorfall habe Gallagher ein Foto der Leiche an einen Kameraden geschickt und dazu geschrieben: „Ich habe ihn mit meinem Jagdmesser erwischt.“

Zudem soll der Elite-Soldat laut Anklage auf Zivilisten geschossen haben. Laut der „New York Times“ etwa auf ein Mädchen und einen alten Mann, der einen Wasserkrug im Arm getragen habe. Manche Mitglieder seiner Einheit seien so besorgt über das Verhalten Gallaghers gewesen, dass sie seine Waffe manipuliert hätten, um sie weniger zielsicher zu machen, berichtete die Zeitung.

Gallagher weist alle Vorwürfe zurück. Sein Anwalt Timothy Parlatore erklärt, sein Mandant habe den IS-Kämpfer medizinisch versorgt. Dieser sei der einzige Überlebende eines Raketenangriffs auf ein Gebäude gewesen und habe schwere Verletzungen gehabt. Gallagher habe medizinische Hilfe geleistet. Die Verteidigung wirft Mitgliedern aus Gallaghers Einheit vor, ihren Chef angeschwärzt zu haben, weil sie mit seiner Art nicht klargekommen seien. Die Ermittler zeichnen ein anderes Bild. Sie legen in ihrem Untersuchungsbericht laut der „New York Times“ dar, dass der Fall nur ans Licht gekommen sei, weil sieben Soldaten aus Gallaghers Einheit sich nicht einschüchtern ließen.

Gallaghers Familie kämpft um seinen Ruf. Sein Bruder Sean Gallagher appellierte im Februar an Präsident Donald Trump, sich für den Elite-Soldaten einzusetzen. Dieser sei ein „echter Krieger“, der sein Leben im Kampf gegen den IS riskiert habe. Mitte Mai berichtete die „New York Times“, Trump erwäge, mehrere Amerikaner zu begnadigen, denen Kriegsverbrechen vorgeworfen würden oder die schon verurteilt worden seien. Einer davon: Gallagher. Wenige Tage später sagte Trump, er habe darüber noch nicht entschieden.

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