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Die EU-Länder sind bei der Frage der Aufnahme von Kindern aus den Flüchtlingslagern in Griechenland gespalten. Derweil dringen Hilfsorganisationen wegen der Corona-Krise auf schnelle Evakuierung.

Griechenland : EU-Staaten uneins bei Flüchtlingshilfe

Die EU-Länder sind bei der Frage der Aufnahme von Kindern aus den Flüchtlingslagern in Griechenland gespalten. Derweil dringen Hilfsorganisationen wegen der Corona-Krise auf schnelle Evakuierung.

Die EU-Staaten sind bei der Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge aus Griechenland tief gespalten - für die Umverteilung einiger Hundert Migranten gibt es jedoch bereits Zusagen. „Es gibt sieben, acht Länder, die anpacken wollen“, sagte der luxemburgische Minister Jean Asselborn bei einem Treffen der EU-Innenminister am Freitag in Brüssel. Andere Länder lehnen eine Aufnahme jedoch ab.

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson hatte am Vortag angekündigt, dass es eine Koalition der Willigen aus sieben Staaten gebe. Diese wollten Griechenland insgesamt 1600 unbegleitete minderjährige Migranten und andere Flüchtlinge abnehmen. Neben Deutschland gehören Frankreich, Irland, Finnland, Portugal, Luxemburg und Kroatien dazu. Auch Bulgarien habe Bereitschaft gezeigt, hieß es am Freitag in Brüssel. Die Schweiz hatte in den vergangenen Monaten ebenfalls signalisiert, Kinder und Jugendliche aufzunehmen. Für die Bundesregierung hat die Aufnahme von kranken Kindern mit ihren Familien Priorität. Anschließend sollen unbegleitete Minderjährige – bestenfalls Mädchen unter 14 Jahren – berücksichtigt werden.

Aktuell leben nach Angaben des griechischen Bürgerschutzministeriums mehr als 42 500 Migranten auf Lesbos, Samos, Kos, Leros und Chios – dabei liegt die Kapazität eigentlich bei rund 6000 Plätzen. Nach Angaben der EU-Kommission sind rund 5500 von ihnen unbegleitete Minderjährige. Neun von zehn seien 14 Jahre alt oder älter, hieß es unter Berufung auf griechische Behörden.

„Die Niederlande sind bereit, Griechenland jede Unterstützung zu geben, die es braucht“, sagte die niederländische Migrationsministerin Ankie Broekers-Knol. „Aber wir sind nicht bereit, Kinder zu übernehmen.“ Asselborn warb hingegen erneut für die Übernahme der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge: „Ich glaube, dass wir Griechenland damit auch helfen können.“ Er hoffe, dass die Bemühungen nicht durch das Coronavirus gestoppt würden. Kroatiens Innenminister Davor Bozinovic betonte, man müsse die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus beim weiteren Vorgehen berücksichtigen.

Unterdessen dringen Hilfswerke angesichtes der Ausbreitung des Coronavirus auf eine Evakuierung der Flüchtlingslager in Griechenland. „Die entsetzlichen Lebensbedingungen in den überfüllten Hotspots auf den Inseln sind ein idealer Nährboden für Covid-19“, erklärte die Organisation Ärzte ohne Grenzen am Freitag in Berlin. Zuvor war die erste Infektion auf Lesbos bei einer Griechin bestätigt worden.

Angesichts der mangelhaften Hygienebedingungen und der äußerst eingeschränkten medizinischen Hilfe sei nun die Gefahr groß, dass sich das Virus verbreite, hieß es weiter. So gebe es in einigen Bereichen des Lagers Moria nur eine einzige Wasserzapfstelle für 1.300 Bewohner und keine Seife. Für Familien, die auf wenigen Quadratmetern schlafen müssten, sei es schlicht unmöglich, „die empfohlenen Maßnahmen zu befolgen und sich regelmäßig die Hände zu waschen und Distanz zu anderen zu halten“, sagte die medizinische Koordinatorin der Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland, Hilde Vochten.

Realistisch betrachtet sei es unmöglich, einen Ausbruch „in einem Lager mit Zuständen wie auf Lesbos, Chios, Samos, Leros oder Kos einzudämmen“, fügte die Expertin hinzu. Dennoch brauche es dringend einen Notfallplan, gesundheitliche Aufklärung und Behandlung von Einzelfällen. Es grenze „an eine kriminelle Handlung“, wenn jetzt nichts unternommen werde, um den Schutzsuchenden zu helfen.

Caritas-Chef Peter Neher kritisierte die Lage von Flüchtlingen an der griechisch-türkischen Grenze und auf den ägäischen Inseln als „unerträglich“. Rechtsbrüche und die Schaffung rechtsfreier Räume dürften nicht als Lösung von Asyl- und Migrationsfragen dienen, sagte der Präsident des katholischen Wohlfahrtsverbandes anlässlich eines Treffens der EU-Innenminister.