Neue Flüchtlingspolitik: Geschlossene Lager auf griechischen Inseln

Lager auf Inseln : Athen verschärft Flüchtlingspolitik

Die überfüllten Insel-Lager sollen durch geschlossene Zentren abgelöst werden.

Es ist einer von vielen Hilferufen: „Die Situation ist außer Kontrolle, die Zustände schrecklich.“ So schrieb es die Hilfsorganisation CESRT vor wenigen Tagen auf Facebook, begleitet von Bildern notdürftig errichteter Zelte inmitten von Müllhaufen auf Chios. Am Mittwoch hat die Athener Regierung Maßnahmen vorgelegt, die für Entlastung sorgen sollen.

Seit langem werden die Zustände in den Flüchtlingslagern in der Ost-Ägäis beklagt. Mehr als 36 000 Migranten und Flüchtlinge hausen derzeit auf Lesbos, Chios, Leros, Kos und Samos unter menschenunwürdigen Umständen. Täglich setzen weitere von der Türkei über. Die Kapazität auf allen Inseln beträgt knapp 6200 Plätze.

Der Plan der Regierung: Die drei größten Lager auf Lesbos, Samos und Chios sollen schrittweise geschlossen werden. Wer Aussicht auf Asyl hat, soll aufs Festland gebracht werden. Die anderen sollen auf den Inseln in neu zu errichtende „Identifikations- und Abreisezentren“ gebracht und dort bis zu ihrer Ausreise festgehalten werden. Die geschlossenen Lager sollen eine „klare Botschaft an diejenigen sein, die eine illegale Einreise planen“, sagte ein Regierungssprecher.

Der griechische Ableger des UN-Flüchtlingshilfswerks begrüßte die Maßnahmen im Großen und Ganzen. So soll das Personal für die Bearbeitung von Asylanträgen aufgestockt werden. Probleme sieht die Organisation aber bei den geschlossenen Lagern. „Von jenen, die derzeit auf den Inseln ankommen, sind unseren Schätzungen nach rund 85 Prozent asylberechtigt“, sagt Sprecher Boris Cheshirkov. Dass sie als nicht berechtigt angesehen und deshalb eingesperrt würden, dürfe nur als allerletztes Mittel gelten.