Mit harter Hand regiert Lukaschenko seit 25 Jahren Weißrussland

Weißrussischer Präsident : Wie sich Lukaschenko seit 25 Jahren an der Macht hält

Der weißrussische Präsident regiert mit harter Hand.

Bei den gerade auch von deutschen Sportlern gefeierten Europaspielen in Minsk sah sich Weißrusslands Staatschef Alexander Lukaschenko wieder in seinem Element. Vergessen schien alle Kritik von Menschenrechtlern etwa an zwei gerade vollstreckten Todesurteilen und der Unterdrückung Andersdenkender. Stattdessen ließ sich der 64-Jährige, der heute vor 25 Jahren erstmals Präsident wurde, feiern. Das Land zwischen EU-Mitglied Polen und Russland sieht sich inzwischen ganz selbstbewusst als „letzte Diktatur Europas“.

Keine politisch verantwortliche Persönlichkeit auf dem Kontinent ist so lange an der Macht wie Lukaschenko, der auch seinen Freund, den russischen Präsidenten Wladimir Putin, in puncto Amtsjahren in den Schatten stellt. Als „bekloppt“ bezeichnete der frühere Direktor eines sowjetischen Agrargroßbetriebs (Sowchose) einmal die westlichen Demokratien. Der Mann mit der hohen Stirn und dem markanten Schnauzer und begeisterte Eishockeyspieler meinte selbst einmal, er sei „lieber Diktator als schwul“.

Seine Sprecherin Natalja Eismont legte im Jubiläumsjahr nach; das hiesige Diktatur-Modell sei schon so etwas wie ein „Markenname“ für eine erfolgreiche Staatsform. „In der Welt könnte es zu einer Nachfrage nach Diktatur kommen“, meinte sie. Ringsum gebe es Chaos. In Weißrussland oder Belarus hingegen herrschten Disziplin und Ordnung. Unerwähnt bleibt, dass Lukaschenko politische Gegner ausschaltet, Wahlen und Medien steuert, seine Söhne in wichtigen Funktionen platziert und das Land insgesamt wie einen Familienbetrieb führt.

Experten sind der Meinung, dass die meisten Bürger in dem Land mit rund neun Millionen Einwohnern sich angesichts von Krieg und Armut im Nachbarland Ukraine abfinden mit ihrer Lage, die Ruhe und die Stabilität schätzen. Es gibt wenige kritische Stimmen von Einfluss wie die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, die sich gegen den Bau eines neuen Atomkraftwerks einsetzt.

„Taktik und Glück haben ihm geholfen, so lange an der Macht zu bleiben“, sagt Expertin Maryna Rakhlei, die für den deutschen Marshall Fund aktuell in ihrer Heimat unterwegs ist. Einen Teil des Erfolgs des Systems sieht sie auch darin, dass in Belarus anders als in Russland keine einflussreiche Oligarchenschicht zugelassen werde.

Überstanden hat Lukaschenko in einem Vierteljahrhundert an der Macht viel, darunter Sanktionen des Westens wegen des einst gewaltsamen Vorgehens gegen Oppositionelle. Auch prallt die Kritik an ihm ab, dass Weißrussland als letztes Land in Europa die Todesstrafe vollstreckt – und zwar per Genickschuss.

Im Jahr des Jubiläums sind Stabilität und Souveränität Lukaschenkos Themen. Es geht darum, sich trotz der Abhängigkeit etwa von Russlands Öl und Gas nicht einverleiben zu lassen vom großen Nachbarn im Osten.

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