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Mehr Neuinfektionen mit Corona: Gastronomie muss Innenräume auf Mallorca schließen

Dritte Corona-Welle erreicht die Balearen : Mallorca zieht die Notbremse

Die Zahl der Neuinfektionen auf der Insel steigt. Nun muss die Gastronomie die Innenräume schließen, Hotelbars sind ab 17 Uhr dicht.

Die Wetteraussichten für die Osterferien auf Mallorca sind freundlich: Viel Sonne und frühlingshafte Tagestemperaturen um die 20 Grad sind angesagt. Doch an der Corona-Front ziehen nun auch auf der Urlaubsinsel wieder dunkle Wolken auf. Die Zahl der Neuinfektionen steigt auf der Lieblingsinsel der Deutschen seit einigen Tagen. Geht auch Mallorca bald wieder in den Lockdown?

Die Inselpolitiker reagierten prompt auf die bedenkliche Entwicklung: Sie verschärften die Corona-Regeln in der Gastronomie, die von Freitag an die Innenbereiche der Kneipen, Cafés und Restaurants wieder schließen muss. Die gastronomischen Außenterrassen und Biergärten bleiben derzeit noch geöffnet, aber wie bisher nur bis 17 Uhr.

Auch in den Hotelbars, in denen bislang noch bis 22 Uhr am Abend gebechert werden durfte, ist künftig um fünf Uhr nachmittags Zapfenstreich. Nur die hoteleigenen Restaurants dürfen die Hausgäste bis zehn Uhr abends bewirten. Dann beginnt übrigens auch eine nächtliche Ausgangssperre.

Zuvor hatten bereits die deutsche Regierung und die Bundesländer den germanischen Mallorca-Reisenden einen Dämpfer verpasst. Zwar gilt Mallorca seit Mitte März nicht mehr als Risikogebiet, doch deutsche Mallorca-Rückkehrer müssen demnächst trotzdem wieder einen Corona-Test machen. Einzelheiten dieses Beschlusses werden derzeit noch zwischen den Behörden und den Airlines ausgearbeitet. Nach bisher vorliegenden Informationen soll vermutlich ein Antigen-Schnelltest für die Heimreise ausreichen.

„Die Infektionsdaten besorgen uns“, erklärte Francina Armengol, die regionale Regierungschefin der Balearischen Inseln, zu denen Mallorca, aber auch Ibiza, Menorca und Formentera gehören. „Die Fallzahlen steigen wieder. Und die britische Variante, die viel gefährlicher ist, hat bereits einen Anteil von 83 Prozent. Die Fachleute raten uns, die Corona-Maßnahmen zu verschärfen. Und das machen wir nun auch.“

Die strengeren Gastronomieregeln gelten von diesem Freitag an und sind eine kalte Dusche für jene rund 40 000 deutschsprachigen Touristen, die über Ostern auf der spanischen Mittelmeerinsel erwartet werden. Vor allem in Deutschland hatte der Wegfall der Quarantänepflicht für Mallorca-Rückkehrer einen Buchungsboom ausgelöst. Schweizer Reisebüros hatten ebenfalls eine stärkere Nachfrage gemeldet, seitdem die eidgenössischen Behörden Spanien nicht mehr als Risikogebiet ansehen.

Balearenpräsidentin Armengol stellte zugleich klar, dass die Inseln kein Risiko eingehen werden und bei einer Verschlechterung der Lage auch schon über Ostern weitere Einschränkungen drohen könnten. „Es geht uns nicht darum, die Ostersaison zu retten, sondern eine neue Corona-Welle zu vermeiden.“ Für die Ferieninseln sei vor allem wichtig, mit möglichst geringen Infektionszahlen in den Sommer zu kommen. Von Juni bis September herrscht Hochsaison und dann beginnt für die Tourismusbranche das Hauptgeschäft.

Die Sieben-Tage-Inzidenz auf Mallorca kletterte zuletzt auf 31 Fälle pro 100 000 Einwohner. Das ist zwar immer noch vergleichsweise wenig. Aber die ansteigende Kurve alarmiert die Virologen, die eine gefährliche Trendwende sehen. Vor einer Woche lag der Inselwert noch bei 20 Fällen. Möglicherweise, so heißt es, sei nun auch auf Mallorca jene Corona-Welle angekommen, die bereits im restlichen Spanien wie in ganz Europa spürbar ist. Besorgniserregend sei die Lage derzeit in den mallorquinischen Ferienorten Sóller und Inca, wo größere Infektionsherde festgestellt worden seien.

Die deutschsprachigen Urlauber, die sich bereits auf der Insel befinden, reagieren unterdessen mit Gelassenheit auf die verschärften Regeln und genießen ihren Urlaub. „Es ist ein Traum: Das schöne Wetter, das Meer. Da wird einem erst einmal klar, was man vermisst hat“, sagte ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen der Mallorca Zeitung. Sie würden sich auf der Insel immer noch sicherer fühlen als in Deutschland.

Und ein Paar aus Thüringen hält die hitzige Mallorca-Debatte, die derzeit in der Heimat tobt, für völlig überzogen. „Die Massen, von denen die deutschen Politiker berichten, sehe ich nicht“, sagte der Mann den Reportern am ziemlich leeren „Ballermann“-Strand Playa de Palma. „Wo soll ich mich denn hier anstecken? Da ist die Gefahr für meine Frau, die als Erzieherin arbeitet, in Deutschland wesentlich größer.“