1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Ausland

Machtwechsel in Grönland beeinflusst Arktis-Politik von USA, China und Russland

Ringen um Einfluss in der Arktis : Grönlands Machtwechsel und die Weltpolitik

Grönlands Politik scheint weit weg zu sein. Die Wahl einer linken Partei mit einem 34-jährigen Vorsitzenden hat jedoch Auswirkungen bis nach Peking.

Die einen schicken Atom-U-Boote unters Eis, die anderen träumen von einer „polaren Seidenstraße“ – und ein Ex-US-Präsident wollte bekanntlich gar Grönland kaufen. Die Weltmächte USA, Russland und China strecken seit langem ihre mächtigen Arme in Richtung Arktis aus. Es geht um Einfluss, um Schifffahrtsrouten, die wegen der Klimakrise in der Arktis immer passierbarer werden, und um wertvolle Rohstoffe – und gerade bei diesen Rohstoffen kommt nun die neue Regierung in Grönland ins Spiel.

Dass die größte Insel der Erde gerade einen Regierungswechsel erlebt, klingt zunächst wie eine Nachricht aus einem weit entfernten Universum – hat aber auch Folgen für die Großmächte der Erde und für den Bau von Elektrogeräten, die fast jeder in seiner Tasche hat. Nicht umsonst weist man im Königreich Dänemark, zu dem Grönland offiziell zählt, auf die Tragweite der Wahl hin, aus der nun eine neue Koalition hervorgeht. „Die Wahl ist historisch, manche werden revolutionär sagen“, schrieb die dänische Zeitung Politiken. Die Dominanz der sozialdemokratischen Partei Siumut ist durchbrochen. Stattdessen regiert künftig die am weitesten links stehende Partei Inuit Ataqatigiit (IA), angeführt von dem erst 34 Jahre alten Múte B. Egede und im Bündnis mit dem Juniorpartner Naleraq. Egede und Naleraq-Chef Hans Enoksen unterzeichneten dazu am späten Freitagabend einen Koalitionsvertrag.

 Múte Bourup Egede, Vorsitzender der linken Partei Inuit Ataqatiglit, gilt als Hoffnungsträger.
Múte Bourup Egede, Vorsitzender der linken Partei Inuit Ataqatiglit, gilt als Hoffnungsträger. Foto: AP/Christian Klindt Soelbeck

Was das mit internationaler Politik und letztlich mit Elektrogeräten zu tun hat? Ein australisches Unternehmen plant seit Jahren, in Südgrönland neben radioaktivem Uran vor allem Seltene Erden zu gewinnen, die in elektronischen Geräten wie Laptops, Smartphones und Kameras, aber auch für Windräder und in E-Autos gebraucht werden. Das kann Grönland Arbeitsplätze und jährliche Einnahmen von umgerechnet knapp 200 Millionen Euro bringen, aber auch negative Folgen für Umwelt und Gesundheit. Eine Mehrheit der Grönländer ist laut Umfragen gegen das Projekt, IA und Naleraq ebenso – und das betrifft China, wo eine Rohstoffgesellschaft Anteile an dem australischen Unternehmen hält.

Gegner des Projektes befürchten nämlich auch, dass sich Grönland abhängig von Peking mache. Dabei ist Unabhängigkeit für die Grönländer seit langem ein zentrales Thema. „Wenn grönländische Politiker über Unabhängigkeit sprechen, geht es fast immer darum, Abhängigkeit aufzuteilen“, sagt der Forscher Ulrik Pram Gad vom Dänischen Institut für Internationale Studien. „Dänemark nimmt viel zu viel Platz am Horizont ein, wenn man von Grönland aus auf die Welt blickt.“ Dass die Insel vor einem Jahr US-Investitionen in Höhe von 12,1 Millionen Dollar erhielt, wurde gern gesehen. Aber man macht auch zunehmend Geschäfte mit Peking, obwohl laut Gad infolge der Wahl das Projekt bei Narsaq gestoppt werde.

China ist zwar kein Arktis-Anrainerstaat, bezeichnete sich aber in einem Positionspapier als einen „arktisnahen Staat“. Peking rief zudem ein auf den Namen „polare Seidenstraße“ getauftes Investitionsprogramm ins Leben. Indes lässt Russland die Muskeln spielen. Kürzlich stiegen drei Atom-U-Boote zeitgleich unter meterdickem Eis auf. Russland erhebt Anspruch auf 1,2 Millionen Quadratkilometer Arktis – insbesondere auf die dort lagernden Rohstoffe wie Öl und Gas. Die USA beobachten das Treiben Russlands und Chinas mit Argwohn. Auch für Washington ist die Arktis von Bedeutung. Der Titel eines Strategiepapiers der US-Armee spricht Bände: „Wiedererlangen der Vorherrschaft in der Arktis“. Die Region sei entscheidend für die Verteidigung und „potenzieller strategischer Korridor“ zwischen dem Indo-Pazifik, Europa und den USA.