London: Royale Ehren für Brexit-Fan Donald Trump

Staatsbesuch in London : Royale Ehren für Brexit-Fan Donald Trump

Der US-Präsident weilt auf Staatsbesuch in London, bekommt sogar einen Empfang bei der Queen – und erregt mit Tipps zum EU-Austritt Ärger.

Donald Trump genoss sichtlich den Prunk und Pomp, als er langsam durch die Reihen der Gardesoldaten in ihren typisch roten Uniformen und den Bärenfellmützen schritt. 82 Salutschüsse hallten vom nahen Green Park in den Garten des Buckingham-Palasts, 41 zu Ehren seines Erscheinens, 41 feierten die Krönung von Königin Elizabeth II., die sich am Sonntag zum 66. Mal jährte.

Während sich der US-Präsident also Zeit ließ und an der Seite von Prinz Charles mit einigen der Militärangehörigen plauderte, stand die Queen neben First Lady Melania Trump auf der Veranda des Palasts und verfolgte das Spektakel. Zuvor hatte sie das Präsidentenpaar offiziell zum Auftakt des dreitägigen Staatsbesuchs empfangen. Für die Monarchin ist das Prozedere Routine, zwölf der letzten 13 US-Präsidenten hat die 93-Jährige im Laufe ihrer Regentschaft getroffen. Im britischen Volk wird die Visite dagegen zutiefst kontrovers diskutiert. Es handelt sich immerhin um die höchste Ehre im Königreich – um eine seltene dazu. Nach George W. Bush und Barack Obama ist Trump erst der dritte US-Präsident, der zum Staatsbesuch geladen wurde. Mehr als das, was die Königsfamilie auf Geheiß der Regierung bei solchen Empfängen aufzuwarten hat, geht nicht. Und nun kommt ausgerechnet jener Mann, der hoch umstritten auf der Insel ist, in diesen Genuss.

Die Pracht soll auf den Republikaner abfärben, der auf schöne Bilder fürs heimische Publikum auf der anderen Seite des Atlantiks hofft, wo die Königsfamilie große Popularität genießt. Es ist zudem kein Geheimnis, dass der US-Präsident persönlich die Queen bewundert, die auf dem Thron sitzt, seit er ein kleiner Junge war. Anders aber als üblich bei Staatsbesuchen fuhr der US-Präsident nicht an der Seite der Königin in der vergoldeten Kutsche durch London, sondern landete mit dem Hubschrauber auf dem perfekt getrimmten Rasen des Palastgartens. Zu groß war offenbar die Sorge vor Protesten.

Die werden für diesen Dienstag erwartet und könnten durch Trump selbst weiter angeheizt worden sein. Denn noch bevor die Air Force One am Montagmorgen britischen Boden berührt hatte, sorgte er bereits für diplomatischen Ärger. Aus der Maschine heraus attackierte der US-Präsident via Twitter Londons Bürgermeister Sadiq Khan, den er als „Komplettversager“ bezeichnete. Khan und Trump liegen regelmäßig via Twitter im Clinch. Und nicht nur Khan kritisierte Trumps Visite. Labour-Chef Jeremy Corbyn boykottierte das Staatsbankett für Trump am Abend. Eine Ansprache vor dem Parlament unterband Unterhaussprecher John Bercow. Und die in den USA geborene Herzogin Meghan ließ sich mit Verweis auf ihr Baby entschuldigen. Tausende Menschen wollen diesen Dienstag aus Protest gegen die Politik Trumps auf die Straße gehen – wie bereits im vergangenen Jahr.

Seit Trumps Amtsübernahme hat die „special relationship“, die besondere Beziehung zwischen den beiden Ländern seit dem Zweiten Weltkrieg, merklich gelitten. London ist auf ein schnell nach dem Brexit geschlossenes bilaterales Handelsabkommen mit den USA angewiesen. Auch darum hat Premierministerin Theresa May Trump im Namen Ihrer Majestät vor zwei Jahren eingeladen – und Kritik erregt.

Nach den royalen Festlichkeiten und einer Kranzniederlegung in Westminster Abbey am Montag trifft Trump diesen Dienstag auf May, die nach dem monatelangen Brexit-Drama angekündigt hat, am Freitag den Parteivorsitz niederzulegen. Das Treffen dürfte kaum ohne Spannungen verlaufen. Im vergangenen Jahr hatte Trump May offen düpiert, diesmal sorgte er für Schlagzeilen, weil er sich erneut in die Brexit-Debatte einmischte. So verkündete er seine Sympathien für den europaskeptischen Hardliner Boris Johnson, der May beerben will, und riet den Briten zum schnellen EU-Austritt, mit oder ohne Austrittsabkommen. Zudem pries Trump erneut Nigel Farage, den rechtspopulistischen Vorsitzenden der neu gegründeten Brexit-Partei. Ein Affront, der – vorsichtig ausgedrückt – für Irritationen sorgte.

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